Modellbahnfrokler >> Drumherum >> Büssing-Spinnenkunde   Kontakt Sitemap
www.modellbahnfrokler.de

Büssing-Spinnenkunde

Vorbildübersicht mit Modellbautips

Von Erik Meltzer <ermel@modellbahnfrokler.de>

Spinne des Büssing 8000 S 13 von Brekina

Beim Betrachten, mehr noch aber beim Umfrokeln eines Büssing-Haubenlaster-Modells ist die "Spinne" eins der wichtigsten Bauteile. Man sieht dem Wagen ja doch als erstes ins "Gesicht". Für das Mo87-Forum habe ich darum die folgende Übersicht gebaut, die ich aber den dort nicht angemeldeten Lesern nicht vorenthalten möchte -- ergo liegt sie nun auch hier.

Mehr zu den Modellen gibt es hier auf der Büssing-Haubenwagenseite.

Tabellarischer Überblick

650/8000Breite[5]Höhe[6]Streben ModellStreben Vorbild
Brekina (8000 S 13)10,19,91010
Wiking-neu[3] (8000)10,59,61010
Herpa (8000 S 13)10,69,01010
Wiking-alt[3] ("8000")9,08,88+1[7]10
Albedo ("8000")9,611,01010
Märklin (650)11,3[1]9,71515
500/4500 ff.Breite[5]Höhe[6]Streben ModellStreben Vorbild
Dahlmann (5500/6000/6500)9,78,9109
Weinert-neu[4] (4500 S)12,2[2]8,899
RK-Modell (4500 S)10,7[1]9,71413
Weinert-alt[4] (500)12,2[2]8,81313
CMK ("4500 A")8,8*8,01313

Fußnoten

  1. Spinne umfaßt Haubenfront, angegeben ist die Breite der Haubenfront ohne Spinne
  2. Spinne umfaßt Haubenfront, angegeben ist die Breite des Ätzteils
  3. Wiking-alt und Wiking-neu unterscheiden altes und neues Modell des Büssing 8000
  4. Weinert-alt und Weinert-neu unterscheiden altes und neues Vorbild
  5. Breite, wo nicht anders vermerkt, über oberste Strebe gemessen
  6. Höhe von Oberkante oberster Hauptstrebe bis unteres Ende der Mittelstrebe gemessen
  7. Strebenzahl n+m bedeutet, daß außer den n Hauptstreben (volle Breite oben, nach unten zusammenlaufend) noch m obere schmale Zusatzstreben über der Hauptstrebe zu sehen sind (vorbildfrei, die oberste Strebe sollte nur zur Mitte hin stufenförmig höher werden)

Schwerlastwagen

Beginnen wir mit den "dicken Eisen". Da müssen wir spinnentechnisch unterscheiden zwischen den Nachkriegstypen 7000 und 8000 und den Vorkriegswagen 650 und 900. Die Industrie hat sich auf den 8000 eingeschossen: an dem hat sich so ziemlich jeder Hersteller schon mal versucht. Trotzdem kann man nur einen davon ohne große Umbauten gebrauchen, aber zumindest gibt es fast alle Teile, die man für die anderen braucht.

Hier geht's aber erstmal nur um die Spinnen.

Büssing 8000 S 13 vom Brekina

Spinne des Büssing 8000 S 13 von Brekina

Brekinas Büssing 8000 S 13, Baujahre 1952-55, ist das beste Modell am Markt, und auch seine Spinne ist gelungen: korrekte Strebenanzahl, stimmige Proportionen, sogar schön verchromt -- nix zu meckern.

Büssing 8000 S von Wiking (neues Modell)

Spinne des Büssing-NAG von

Das "neue" Wiking-Modell des Büssing 8000 ist maßlich genauso verkümmert wie das alte, aber die Haube paßt. Das ältere Vorbild (Baujahre 1950-52) macht sich in Haubenform und -länge bemerkbar, nicht aber in der Form der Spinne -- die sollte mit der von Brekina gleich sein, ist es aber nicht ganz. Aber gleich genug -- wer hier maßlich besser dasteht, bliebe zu klären, aber stimmig wirken sie beide.

Büssing 8000 S 13 von Herpa

Spinne des Büssing-NAG von

Schon deutlich mauer: Das Herpa-Modell. Die Haube ist noch ein bißchen länger als bei Brekina, formal eine Mischung beider Vorbilder, und die Spinne ist vor allem in der Höhe verkümmert. Aus dem Modell läßt sich am ehesten ein Vorkriegslaster mit Nachkriegskabine schneidern, aber der braucht dann auch andere Haubenseiten und eine andere Spinne. Alles in allem ist man mit Brekina viel besser bedient.

"Büssing 8000" von Wiking (altes Modell)

Spinne des Büssing-NAG von

Eher außer Konkurrenz: das alte Schätzchen von Wiking. Die Spinne ist eigentlich unbrauchbar, auch sonst stimmt kaum ein Aspekt der Form und kaum ein Maß -- aber irgendwie kommt der Eindruck eines alten Büssing trotzdem rüber. Charmant, aber eher was für die Sammelvitrine.

"Büssing 8000" von Albedo

Spinne des Büssing-NAG von

Zu recht nahezu unbekannt ist Albedos Büssing-Karikatur. Die Kabine stammt vom MAN 750, die Haube ist zu hoch und zu schmal, die Räder und Kotflügel sowie die Gesamtabmessungen viel zu klein. Und auch die Spinne ist zu nix zu gebrauchen: zu schmal für den 8000, die Breite würde eher zu einem mittelschweren Vorbild passen -- aber viel zu hoch, selbst für die Schwerlaster, und darob mit grotesk verzerrten Proportionen. Vor der Anschaffung kann ich nur warnen.

Büssing-NAG 650 von Märklin

Spinne des Büssing-NAG von

Auch eher unbekannt ist der Büssing-NAG 650 von Märklin, ein Gußmodell, das meist (aber nicht immer) zusammen mit Modellbahnwagen in den Handel gekommen ist. Licht und Schatten sowohl beim Modell (schön gravierte und recht maßhaltige Kabine, Chassis aber zu grob und zu kurz (vielleicht für einen Kipper passend, aber den haben sie nicht gebaut)) als auch bei der Spinne: wunderbar fein graviert und korrekte Strebenzahl, aber am Modell leider zu tief montiert -- die Oberkante des Markenzeichens sollte fast mit der der Haube übereinstimmen. Zu korrigieren ist das kaum: der Gußbrocken von Haube ist schwer zu bearbeiten, die kunststoffene Spinne hingegen bedrohlich filigran, um an ihrer massiven Rückseite was abzufräsen.

Mittelschwere Laster

Büssing 5500/6000 von Dahlmann

Spinne des Büssing-NAG von

Der recht selten zu findende alte Dahlmann-Bausatz ist schlicht, aber grundsätzlich nicht schlecht. Die Spinne hat allerdings leider eine Strebe zuviel (was stören kann, aber m.E. nicht muß). Der in der mit etwas gutem Willen als "Anleitung" zu bezeichnenden beiliegenden Kopie beschriebene, wahlweise mögliche Aufbau als Vorkriegswagen mit nach vorn flügelförmig auslaufenden Kühlluftschlitzen ist vorbildwidrig, es handelt sich eindeutig um ein Vorbild der Baujahre nach 1950, zu erkennen am eckigen Büssing-Logo.

Büssing-NAG 4500 S von RK-Modelle

Spinne des Büssing-NAG von

Der Büssing von RK (und Müller Siegen, und früher vielleicht auch mal Artmaster) ist auch wieder so ein Licht-und-Schatten-Modell: zu große und zu modern anmutende Kabine (Abguß vom Wiking-8000), seltsame Aufbauten, aber die Kotflügel, die Stoßstange und die hier gezeigte alte Haube sind sehr schön gelungen. Die überzählige Strebe fällt bei der Vielzahl ihrer Nachbarn nicht auf.

Jedoch Obacht: Es gibt auch RK-Modelle mit "neuerer" Haube und Spinne. Die haben eine offensichtlich von einer umgebauten Wiking-8000-Haube abgegossene Schnauze, leider ist diese Haube aber zu breit, zu hoch und falsch geformt, und auch die nur unten gekürzte Spinne paßt in dieser Form weder zum schweren noch zum mittelschweren Vorbild.

Büssing-NAG 4500 von Weinert

Spinne des Büssing-NAG von

Von Weinert gibt es ein Modell, aber zwei Spinnen. Das Modell liegt hier nicht vor, die Spinnen sind aber super -- korrekte Strebenzahl, korrekte Proportionen, angeätzte Begrenzung der Kühlluftöffnung, allet schnieke. Hier noch ein Vergleichsbild mit dem Dahlmann-Laster:

Spinne des Büssing-NAG von

Büssing-NAG 500 von Weinert

Spinne des Büssing-NAG von

Die alte Weinert-Spinne ist genauso gelungen wie die neue. Über das Modell ansonsten kann ich noch kein abschließendes Urteil fällen, sicher ist nur eins: besonders preiswert ist es nicht ;-) Dafür aber leicht zu finden, anscheinend brauch ich doch mal welche, allein um hier ein fertiges Modell neben die Spinne stellen zu können statt des Vergleichswagens von RK-Modelle:

Spinne des Büssing-NAG von

"Büssing-NAG 4500 A" von CMK

Spinne des Büssing-NAG von

Der CMK-Resinbausatz (und H&K, Trident, Artmaster) ist eine Enttäuschung: viel zu massiges Chassis (paßt besser zu einem 8000 A, dazu mehr demnächst), seltsame Kabine (sieht nach Nachkriegsbehelf aus) und leider auch eine ziemlich verkümmerte Haube. Die Spinne wirkt ebenfalls arg klein und arg eckig an den Außenseiten. Eigentlich ist das Ganze wenn überhaupt, dann nur zum Ausschlachten zu gebrauchen; das lackierte Fotomuster trägt die CMK-Haube (mal sehen, ob sie bleiben darf -- ich bin eher skeptisch), aber der Rest des Modells ist Eigenumbau.

Und jetzt?

Bei den Schwerlastwagen kommt man an sich ganz gut klar -- 8000 S 13 ab '52 gibts von Brekina, 7000 und 8000 von '49 bis '52 kann man mit Wiking-Nasen und Brekina-Chassis bauen, und Vorkriegs-650 und die daraus abgeleiteten dreiachsigen 900 kann man auf Märklin-Basis bauen.

Aber für die mittelschweren bräuchte der Frokler, selbst wenn er bereit ist die Haube selbst zu schnitzen, eine Ätzspinne, wenn es mit vertretbarem Aufwand gut werden soll. Die Weinert-Spinnen sind prima, aber etwa hier mitlesende Ätzteil-Hersteller müßten nicht mal Weinert kopieren: ein Blech mit der neueren Spinne, aber eckigem Büssing-Logo statt des bei Weinert vorgesehenen runden Büssing-NAG-Logos, wäre keine Raubkopie, sondern im Gegenteil auch für Weinert-Büssings als Zurüstteil zu gebrauchen -- natürlich aber auch für solche von Dahlmann und für Eigenbauten.

Allerdings wäre es schon klasse, wenn eine solche neue Spinne dann auch dreidimensional wäre -- die oberste und die senkrechte Mittelstrebe sind beim Vorbild massiver, stehen also weiter vor als die restlichen. Und wenn man das am Ätzteil realisieren würde, wären dann auch die alte Bauart und die neue mit rundem Logo keine Raubkopien mehr, sondern Zurüstteile. Und in dieser Qualität wären dann auch die vier möglichen Schwerlasterspinnen -- Vorkriegsversion mit 15 und mit 19 Streben, Nachkriegsversion mit rundem und mit eckigem Logo -- hochwillkommen ... man wird ja noch träumen dürfen, oder?


Modellbahnfrokler >> Drumherum >> Büssing-Spinnenkunde   Kontakt Sitemap

Best viewed with any browser Valid HTML 4.0! 100% hand coded HTML

  Fragen an den Autor? Mail an Ermel
Zuletzt bearbeitet am 4. Dezember 2017   Technische Probleme? Mail an Webmaster