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Einfachserie ehrenhalber

Der Märklin-G 10

Von Erik Meltzer <ermel@modellbahnfrokler.de>

Märklin G 10 ohne Handbremse
Bild 1: Ein leicht gesuperter Märklin-G 10 ohne Handbremse. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Vorwort

Wer diese Seite schon ein Weilchen kennt, weiß um meine Vorliebe für ältere, einfachere Güterwagen-Modelle. Ein solches ist der Märklin-G 10 zwar nicht -- er ist in dieser Form "erst" seit 1993, ohne Handbremse eher seit der Jahrtausendwende auf dem Markt. Aber er paßt trotzdem ganz gut zur alten Roco-Einfachserie: seine Bretterfugen sind zu breit, sein Fahrwerk ist zu massiv, und seine angespritzten Griffstangen sollte man dringend ersetzen.

Mit anderen Worten: ein Wagen, an dem eigentlich nicht viel, aber um so lustvoller zu frokeln ist. Zudem ist er maßstäblich und wohlproportioniert, auf dem Gebrauchtmarkt oft sehr günstig zu finden und nicht zuletzt kraft seines Vorbildes in fast jeder beliebigen Stückzahl auf den Modellbahngleisen der Epochen 1 bis 4a unterzubringen. Höchste Eisenbahn also, ihm endlich auch mal eine Frokelseite zu widmen!

Inhalt

Erstmal Geschichte

Märklin G München mit Handbremse, schachtelfrisch
Bild 2: Ein schachtelfrischer Märklin-G München mit Handbremse. Foto mit freundlicher Genehmigung übernommen von dieepoche2.de und schlecht retuschiert vom Autor. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Es ist ja auch eine Versuchung für so einen Modellbahnhersteller, bei einer Neukonstruktion vorhandene, passende Teile weiterzuverwenden. Formenbau ist teuer, und die meisten Kunden merken es eh nicht. Gerade bei Märklin freuen sich vermutlich sogar einige derer, die es doch merken, darüber: eine klassische Märklin-Konstruktion, nicht so ein neumodischer Vollplastik-Kram!

Dies sei vorbeugend angemerkt bei der Betrachtung des Märklin-G 10. Denn als der im Jahre 1993 sehr weitgehend überarbeitet wurde, haben sie ihm das alte Fahrgestell aus den 80er Jahren gelassen. Entsprechend sieht selbiges aus: extrem klobige Achshalter, die aber gar nicht so massiv sein müßten, weil die Achsen selber nämlich in dahinterliegenden Blechbügeln gehalten werden, wo sie mit zylindrischen Achsstummeln in runden Bohrungen laufen (Sammler-Euphemismus dafür: "Nadellagerung" :-D ). Höchst massive Tritte und ziemlich verwaschen geformte Korbpuffer können das Bild da auch nicht weiter trüben.

Zumindest der neue Wagenkasten (über den alten schweige ich mal lieber -- wer mag, kann sich das Bild im Anhang ansehen) ist indes gar nicht mal so schlecht. Die zu öffnenden und somit zu dicken Schiebetüren waren zu erwarten. Warum die Bretterfugen in den Schiebetüren noch breiter sind als die ohnehin schon arg breiten im restlichen Wagen, muß ich jetzt nicht verstehen -- vom alten Wagenkasten stammen sie jedenfalls nicht, wie Bild 16 zeigt. Die Gravuren sind sonst aber in Ordnung, die Maße passen auch, und der Gesamteindruck eines G 10 kommt dank der gut getroffenen Proportionen deutlich besser rüber als bei den zu breiten Fleischmann- oder gar den zu hohen Roco-Modellen (aus der neueren Serie).

Märklin G 10 mit abgebauter Handbremse, Roco-Fahrwerk
Bild 3: Ein gesuperter Märklin-G 10 mit abgebauter Handbremse und verlängertem Roco-Nicht-Handbrems-Fahrwerk. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Lobend zu erwähnen ist hier noch, daß Märklin auch die beim Vorbild sehr häufige und optisch so herrlich asymmetrisch-kankelige Variante mit abgebautem Bremserhaus gebaut hat. Vermutlich ursprünglich, um einen G 10 ohne Bremserhaus im Programm zu haben, ohne dafür ein neues Fahrwerk bauen zu müssen, aber sei's drum: diese Variante hat lange Zeit kein anderer Hersteller gemacht, selbst bei Brawa mußten wir auf diese Variante gefühlt ewig warten.

Vermutlich etwa um die Jahrtausendwende hat Märklin dann auch ein Modell ohne Handbremse nachgeschoben (zu sehen ganz oben auf dieser Seite in Bild 1). Und hier ist dann auch das Fahrwerk neu -- und prompt auch wirklich brauchbar ausgefallen. Brawa-Qualitäten wird hier niemand erwarten, die angespritzten Tritte sind auch immer noch nicht filigran zu nennen, sondern eher robuster Natur; aber die Gravuren sind in Ordnung, die Achshalter schön schmal und korrekt geformt, die Bremsen in Radebene und auch sonst alles da, wo es hingehört. Kann man so lassen!

Das Fahrwerk

Die originalen Märklin-Fahrwerke

... ohne Handbremse

Das Fahrwerk des jüngeren Märklin-G 10 ohne Handbremse ist, wie oben schon erwähnt, für Märklin-Verhältnisse ausgesprochen gut gelungen. An den Achshaltern ist nichts zu bekritteln -- sie sind auf demselben Qualitätsniveau wie die des jüngeren Roco-G 10, und über die hat noch niemand diesseits der H0-pur®-Fraktion gemeckert. Und auch die Tür- und löblicherweise vier Rangierertritte gehen in Ordnung. Klar, feiner geht immer, aber nötig erscheint ihr Austausch keinesfalls, und trotzdem sind sie hinreichend solide und unverlierbar angespritzt.

Zu tun bliebe allenfalls das Nachrüsten von Rangierergriffen, einem Steuerventil für den Hauptbremszylinder (das sieht man von der Seite sehr prominent unter dem Langträger herausragen) und je nach Geschmack Federpuffern, so man diese denn benötigt. Kann man mit feststehenden Puffern leben, so sind die märklinschen hier allemal hübsch genug, auch wenn der rechte Pufferteller leider nicht gewölbt ist.

... mit Handbremse

Märklin G 10 mit Handbremse, Piko-Achshalter
Bild 4: Ein Märklin-G 10 mit Handbremse und Piko-Achshaltern. Zum Vergrößern aufs Bild klicken. Die Redaktion bittet um Entschuldigung für das staubige und etwas abgegriffene Modell

Das Fahrwerk des älteren Bremserhaus-Wagens erfordert gegenüber dem nicht-handgebremsten leider ein gerüttelt Maß an Mehraufwand, denn es ist nicht nur aus heutiger Sicht extrem mißraten. Die Maße stimmen zwar, aber die Achshalter sind, Verzeihung, der letzte Dreck: falsche Form, viel zu dick, da stimmt einfach nichts. Und nein, das ist auch mit der Entwicklungszeit nicht zu erklären -- auch in den Achtzigern hat die Konkurrenz schon weit schönere Achshalter zustandegekriegt, sogar bei Märklin selber waren die auch damals nicht alle so gruselig. Helfen tut da wirklich nur noch die Totalamputation.

Praktisch dabei ist, daß die Achsen hier nicht im Kunststoff der Achshalter, sondern in den dahinter verborgenen Blechstreifen gelagert sind. Die neuen Achshalter-Nachbildungen müssen also "nur" gut aussehen und sollten nicht von selbst abfallen; halten müssen sie nix. An meinem Wagen stammen sie von geschlachteten Piko-Fahrwerken; mehr dazu findet sich, vorgeführt am Märklin-Om 12, in unserer Kleinkram-Rubrik "Zwischendurch gepfuscht".

Sonst braucht das Fahrwerk nur noch neue Puffer statt der angespritzten Korbpuffer (außer bei Epoche-1-Modellen, da können die natürlich bleiben) und je nach Geschmack neue Tritte statt der etwas klobigen angespritzten -- mindestens die Rangierertritte am Nicht-Handbrems-Ende werden auch bei meinem Wagen noch dem Seitenschneider zum Opfer fallen. Achja, und der Bremszylinder könnte noch ersetzt werden; bei meinem Wagen fehlt er noch, aber den falschen angespritzten hab ich vor vielen Jahren, als ich ihn gebaut habe, schon mal vorauseilend weggeschliffen, sieh mal einer an. ;-)

Das Roco-G 10-Fahrwerk

Märklin G 10 mit Handbremse, Roco-Fahrwerk, Brawa-Bremserhaus
Bild 5: Ein Märklin-G 10 mit Handbremse, mit Roco-Fahrwerk und Brawa-Bremserhaus. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Deutlich weniger Arbeit als das Verbessern des Märklin-Bremserhausfahrwerks handelt man sich ein, wenn man einen Roco-Bremserhaus-G 10 schlachtet. Dessen Wagenkasten ist ja bekanntlich 2 mm zu hoch -- immer noch ein Jammer, das, aber wenigstens ist der Wagen schön billig (bei Sonderaktionen teilweise im einstelligen Eurobereich zu bekommen, und mehr als 13 € hab ich noch nie bezahlt dafür) und bietet für das Geld wirklich untadelige Qualität bei Fahrwerk und Bremserhaus.

Entsprechend übersichtlich fällt somit auch dieser Abschnitt aus. Denn das Fahrwerk paßt auch saugend unter den Märklin-Wagenkasten, lediglich ein Wagenboden ist zu ergänzen -- vor allem über den Pufferbohlen, wo sonst ein deutlicher Spalt klafft. Ich habe der Einfachheit halber den Wagenboden komplett aus 1-mm-Bleiblech gebaut.

Fehlen noch -- auch bei meinen Wagen, wie ich beim Fotografieren gemerkt habe -- die schräge Stange am Steuerventil des Bremszylinders und die Rangierergriffe, dann ist der Keks auch schon gegessen.

Roco-Schlachtwagen ohne Handbremse sind doch viel billiger!

Märklin G 10 mit Handbremse, Roco-Fahrwerk
Bild 6: Ein Märklin-G 10 mit Handbremse, mit verlängertem Roco-Nicht-Handbrems-Fahrwerk. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Stimmt. Deswegen haben zwei meiner Märklinwagen auch solche, natürlich entsprechend verlängert. Das geht ganz einfach: Pufferbohle abschneiden und mit etwas PS-Profil dazwischen wieder ankleben, fertig. Aufwendig wird hier allerdings der Neubau der Bremserhaus-Tritte, denn die fehlen natürlich. Bei meinem Bremserhauswagen in Bild 6 hab ich sie mühsam aus Türtritt-Ätzteilen (s.u.) und Draht zusammengelötet -- kann man machen, wird auch okay (zu sehen unten auf Bild 10), macht aber zumindest mir keinen Spaß.

Daher mein Tip: wenn man schon kurze Roco-Fahrwerke für Märklin-Handbremswagen nimmt, dann nehme man sie für Wagen mit abgebautem Bremserhaus. Denn bei denen waren nicht immer die originalen Bremserhaustritte verbaut, sondern teilweise auch einfache Rangierertritte. Bild 3 zeigt ein solches Modell, sogar mit den originalen Roco-Rangierertritten.

Die Türtritte meiner verlängerten Roco-Nichthandbremsfahrwerke sind an beiden Wagen wiederum vom Aw Lingen, allerdings wegen meiner bescheidenen Lötkünste nicht mit den beiliegenden geätzten Haltern, sondern mit solchen aus gebogenem Draht (und auf den Bildern leider meist etwas krumm und nach oben gebogen). Die sind feiner als die Roco- oder Märklin-Tritte, aber das ist nicht der Grund, daß ich sie angebaut habe. Sondern? Nun, die Tritte müssen bei Handbremswagen deutlich außermittig sitzen, und die Roco-Plastiktritte ohne passende Aufnahmen ans Roco-Plastikfahrwerk zu kleben erschien mir nicht stabil genug.

Der Wagenkasten

Stirngriffe beim Märklin G 10
Bild 7: Märklin-G 10 mit alternativen Anordnungen der Stirngriffe: rechts mit langen, gewinkelten Eckgriffen und links mit langen geraden, beide mit Signalhaltern (und leider nur einer mit den dazugehörigen Tritten über den Puffern, der andere bekommt sie bei Gelegenheit noch). Daneben gab es auch Wagen mit den ursprünglichen, kurzen Eckgriffen und solche mit nur einem davon, nur einem Tritt (beide wären im Bild links) und ohne Signalhalter an einem Ende. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Die nötigen Verbesserungen am Wagenkasten aller Versionen beschränken sich auf Kosmetik. An den Stirnseiten fehlen außer den Eckgriffen und den Aufstiegsgriffen zum Bremserhaus sämtliche Griffe, Tritte und Signalhalter, was immerhin bedeutet, daß man keine klobig angespritzten Teile mühsam wegschaben muß.

Wegschaben sollte man für die Epoche 3 aber die Stirnwandprofile (außer am Handbrems-Ende, so vorhanden), denn die sind liegend, also mit der offenen Seite zum Wagenende hin, nachgebildet. Beim Vorbild hat man sie aber gedreht, die offene Seite zeigt jetzt zur Außenseite, also zur Ecksäule hin. Wer keine passenden U-Profile dahat, kann stattdessen auch H-Profil nehmen oder notfalls einfach 1×1-mm-Vierkantstab – letzterer ist nicht vorbildgerecht, aber das sieht man m.E. kaum, und bei den ab Werk richtigen Modellen der anderen Hersteller sieht's auch nicht anders aus. Wer indes hier auf Brawa-Niveau kommen möchte, sei auf die geätzten Stirnwandsäulen vom Aw Lingen verwiesen. (Da gibts auch noch andere nette Zurüstteile, Stöbern lohnt sich!)

Die arg wuchtige obere Schiebetür-Laufschiene bietet auch noch Handlungsbedarf. Ich habe wie üblich die schnellste Lösung gewählt: rechts von der Tür wird die Laufschiene weggeschnitten und durch einen Draht ersetzt, der am rechten Ende entweder in einem Griffstangenhalter sitzt oder einfach um 90° abgewinkelt in die Seitenwand führt. Über der Tür geht die Schiebetür-Laufschiene aber prima als das dort beim Vorbild angebrachte Schutzblech durch. Bild 4 übrigens zeigt zum Vergleich einen Wagen, bei dem dieser Umbau noch nicht vollzogen wurde.

Und dann sind da noch die Endfeldverstärkungen, jene halbhohen Diagonalen in den letzten Feldern der Seitenwand zur Stirnwand hin. Die waren bei Epoche-3-Wagen grundsätzlich vorhanden (nur aus Epoche 3a, also der Zeit mit "DR Brit-US-Zone"- und ähnlichen Anschriften, gibt es einzelne Vorbildfotos, wo sie noch fehlen; erstmals angebaut wurden sie aber auch schon vor dem 2. Weltkrieg). Märklin hat das, wie alle anderen Hersteller, nicht so eng gesehen und auch DB-Wagen ohne Endfeldverstärkung geliefert (siehe Tabelle am Ende der Seite). Das Gebastel von Endfeldverstrebungen aus eigentlich zu klobigen Messing- oder gar Kunststoff-Profilchen ist glücklicherweise vorbei, denn auch hier gibt's was vom Aw Lingen, zu bewundern an den Wagen in Bild 5 und 6.

(Ex-)Handbremswagen

Am Bremserhaus-Wagenkasten ist nicht viel mehr zu tun als am handbremslosen. Die eingesetzten Griffstangen an den Stirnseiten sollten durch solche aus dünnerem Draht ersetzt werden. Die Signalhalter am Bremserhausende dürfen wahlweise auch gern die gekröpften von Weinert (No. 8263) sein, um 180° verdreht, so daß die Signalaufnahme über dem Wagendach liegt.

Märklin G 10 mit Handbremse, zwei Versionen
Bild 8: Märklin-G 10 mit Handbremse, das Vergleichsfoto. Finde die Unterschiede!
Okay, okay: Bremserhäuser links Brawa, rechts Märklin. Bremserhausleitern links Brawa, rechts Fleischmann. Trittstufen (und Fahrwerk) links Roco, rechts Märklin. Achshalter links Roco, rechts Piko. Endfeldverstärkungen links Aw Lingen, rechts Märklin. Puffer links Roco, rechts Weinert. Umbaujahr links 2015, rechts 2002. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Ob man das Bremserhaus in ein gekürztes umfrokeln mag, ist Geschmackssache; meine durften bei den bisherigen Wagen so bleiben, nur die Fenster habe ich mit Humbrol-Clearfix verglast. Die Bremserhausaufstiege habe ich beim Wagen auf Bild 4 durch ein GFN-Teil ersetzt, allerdings eher weil es gerade herumlag als weil das Märklin-Teil so furchtbar wäre (der Wagen in Bild 6 hat noch die Märklin-Aufstiege). Natürlich kann man das Bremserhaus auch komplett durch ein anderes ersetzen, so richtig schön ist es eh nicht -- Bild 5 zeigt einen Märklin-G 10 mit Roco-Fahrwerk und Brawa-Bremserhaus, eine Kombination, die aber eher bastelkistenlogistikbedingt entstand: natürlich wäre es Unsinn, einen Brawa- und einen Roco-Wagen zu schlachten, um damit einen Märklin-Wagen zu supern :-)

Märklin G 10 mit Handbremse, zwei Versionen
Bild 9: Märklin-G 10 mit abgebauter Handbremse und Roco-Fahrwerk, Stirnseite. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Bleibt der Wagenkasten der Version mit abgebautem Bremserhaus. Hier können die Stirnsäulen am ehemaligen Handbrems-Ende so bleiben, wie sie sind -- müssen sie aber nicht unbedingt, denn auch hier gibt es Vorbildfotos mit gedrehten Stirnsäulen, die man dann wieder mit den Aw-Lingen-Teilen nachbauen kann. Wer mag, kann wie ich dem Wagenkasten noch eine durchgehende horizontale Griffstange einmal quer über die ex-handbremsseitige Stirnwand verpassen. Sonst gibt es hier auch nix weiter zu beachten außer, daß man den Wagenkasten dann auch richtig herum aufs Fahrwerk setzt. Ratet mal, warum ich das so deutlich erwähne ...

Fazit

Über diesem gesamten Artikel schwebt ja die eine Frage: Lohnt das heute noch? Gemeint ist natürlich der Vergleich zum Brawa-G 10. Und klar, auf den ersten Blick sieht der Märklin-Wagen da schon ganz schön alt aus gegen.

Daß man auf Märklin-Basis das optische Niveau des Brawa-Modells nie ganz erreichen wird, bestreite noch nicht mal ich. Aber darum geht es auch gar nicht. Denn schön, wie der Brawa-G 10 ist, hat er auch ein paar Nachteile: er ist empfindlicher (besonders die Rangierertritte sind bei meinen Wagen schon teilweise abgängig, obwohl noch nicht einer davon die Fremo-Einsatzreife erlangt hat); er hat mit seinen extrem schmalen Metall-Achshaltern ein latentes Kurzschlußproblem, wenn man ihn mit breiten Radreifen und korrektem Radsatz-Innenmaß betreiben möchte; und er ist bekanntlich nicht gerade preisgünstig, wenn auch inzwischen schon wieder öfter deutlich unter UVP zu bekommen. All diese Contra-Argumente zum Brawa-Modell sind indes hinreichend bekannt.

Ein weiteres Problemchen, das ich mit dem Brawa-G 10 habe, ist aber noch nicht zur Sprache gekommen: die sehen alle gleich aus! Soll heißen: Da es nichts weiter zuzurüsten oder zu supern gibt, beschränken sich die Leut beim Herrichten ihrer Brawa-Wagen aufs Umbauen der Kupplungen, das Umnummern und (wenn man Glück hat) die Alterung. G 10 waren aber beim Vorbild, wie alle preußischen Wagen, ziemlich variantenreich, gerade was die Anordnung der Griffstangen angeht. Wenn man einen Märklin-Wagen herrichtet, ist es kein Mehraufwand, diese Varianten auch umzusetzen. Will man das auch beim Brawa-Wagen tun, ist das nicht viel weniger aufwendig, als einen Märklin-Wagen zu supern. Und auch weitergehende Umbauten wird man sich beim einfachen und preiswerteren Märklin-Wagen eher zutrauen, als ein teures Brawa-Supermodell unter die Fräse zu legen.

Letztlich ist es aber natürlich, wie immer, Geschmackssache. Wer im Frokeln Spaß und Entspannung findet, ist mit den hier vorgestellten Umbauten gut bedient: für weit unter 20 € ohne Bremserhaus bzw. knapp über 20 € mit demselben gibt es jede Menge Frokelspaß und am Ende einen durchaus ansehnlichen Güterwagen, der das Kunststück vollbringt, gleichzeitig individuell und ein Massenwagen zu sein. (Und wenn man die Dinger in Serie befrokelt, also sagen wir mal fünf Wagen am Stück, geht's auch deutlich schneller, weil man eben nicht dauernd Werkzeuge wechseln, Airbrush reinigen oder Bauteile suchen muß, sondern eben nur ein Fünftel mal so oft pro Wagen.)

Wer hingegen lieber einfach so ein Supermodell auf die Schiene stellen mag, der ist mit Brawa sicherlich besser bedient. Und dagegen ist ja auch nix zu sagen -- ich hab auch ein Fuder Brawa-G 10, mehr darüber ein andermal, und so werden wenigstens die Wagentische an den Fremo-Schattenbahnhöfen mit Flachdachwagen befüllt, ohne daß man Dutzende Märklin-G 10 umfrokeln muß.

Mach ich aber trotzdem. :-)

Märklin G 10 Nachschuß
Bild 10: Nachschuß auf eine Gruppe aus fünf Märklin-G 10. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Anhang 1: Übersicht Basismodelle

Die Zeiten, in denen Märklin-Modelle jahrzehntelang unter einer leicht zu merkenden vierstelligen Nummer erhältlich waren (ich sag nur 3021 ;-), sind leider vorbei. In dem Wust von Setpackungen und Einmalserien gibt es aber immer wieder auch G 10-Modelle; hier eine kleine Sammlung.

Die Tabelle ist nach dem Laden der Seite nach Artikelnummern sortiert (Zugpackungen/Startsets mit Lok aber davon abweichend am Ende), weil das so am einfachsten zu überblicken ist im Quelltext, kann aber durch Klicken auf die Überschriften nach Wunsch sortiert werden (wenn Javascript eingeschaltet ist). Artikelnummern mit -01 ff. am Ende bedeuten, daß der Wagen Teil eines Wagensets ist; -0? bedeutet das gleiche und daß wir die Unternummer noch nicht kennen (so es eine gibt).

Art-Nr Bremse Wagenkasten Wagennummer Farbe/Werbung Bemerkungen
4695 langes Brh ohne EFV DRB München 14 103 G braun [1]
4877 abgeb. Brh mit EFV DR München 12 444 G braun
4878 abgeb. Brh mit EFV DB 140 546 G 10 braun
4879 abgeb. Brh mit EFV DR 09-61-72 G braun
4880 langes Brh mit EFV DB 144 607 G 10 braun
46081-04 ohne Brh ohne EFV DB 122 194 G 10 braun epochenfalsch, [3]
46089-02 ohne Brh ohne EFV DB 126 931 G 10 braun epochenfalsch, [3]
46097-02 ohne Brh ohne EFV DRB Cassel 13 772 Gn braun [3]
46141-0? ohne Brh mit EFV DB 136 027 G 10 braun [3]
46351-0? abgeb. Brh mit EFV DB 140 564 G 10 braun [3]
48781-01 ohne Brh mit EFV DB 544 837 [P] grün "Königsbacher" sehr fragwürdig
48781-02 ohne Brh mit EFV DB 544 838 [P] grün "Königsbacher" sehr fragwürdig
48781-03 ohne Brh mit EFV DB 544 852 [P] grün "Königsbacher" sehr fragwürdig
48782-01 ohne Brh mit EFV DB 131 808 G 10 braun/weiß/blau "Koff" [2]
48782-02 ohne Brh mit EFV DR Brit-US-Zone 121 371 G 10 braun/gelb "Münsterland" [2]
48783-01 ohne Brh mit EFV DR Brit-US-Zone München 48 560 G braun/gelb "Pelikan" [2]
48783-02 ohne Brh mit EFV DB 129 931 G 10 braun/gelb/blau "Stricker" [2]
48783-03 ohne Brh mit EFV DB 120 007 G 10 braun "J.J.Darboven" [2]
48784-01 langes Brh ohne EFV DB 114 399 G 10 braun epochenfalsch
48784-02 abgeb. Brh mit EFV DB 140 564 G 10 braun
48784-03 ohne Brh mit EFV DB 138 002 G 10 braun
48789-01 ohne Brh mit EFV DB 544 072 [P] braun "Henko" fragwürdig
48789-02 ohne Brh mit EFV DB 544 115 [P] braun "Pril" fragwürdig
48789-03 ohne Brh mit EFV DB 544 114 [P] braun "Fewa" fragwürdig
48810-06 langes Brh ohne EFV DR Zone Fr Karlsruhe 18 325 G braun [3]
48827-0? kurzes Brh mit EFV DR Brit-US-Zone 121 493 G 10 braun [3]
48827-0? kurzes Brh mit EFV DB 146 215 G 10 braun [3]
48827-0? langes Brh mit EFV DB 134 587 G 10 braun [3]
48827-0? ohne Brh ohne EFV DR Brit-US-Zone München 11 859 G braun [3]
48827-0? abgeb. Brh mit EFV EUROP SAAR 11 265 G 10 braun [3]
26591-05 langes Brh ohne EFV DRB Cassel 4 623 G braun gealtert, [3]
28501-04 abgeb. Brh ohne EFV RAG 37096 braun Werkswagen ohne Staatsbahn-Zulassung, [3]

Legende und Anmerkungen

Anhang 2: Werbewagen mit Vorbildern

Koff
Bild 11: DB 131 808 G 10 "Koff" (48782-01). Beachte: Vorbild mit Speichenrädern!

Mit "bunten" Werbe-Güterwagen sind wir ja reichlich versorgt, anscheinend verkaufen sie sich wirklich besser als die "langweiligen" braunen. Kostengünstig in der Entwicklung sind sie auch, und so kann kaum ein Hersteller widerstehen, auf diese Art ein paar Euro nebenher zu verdienen. Auch Märklin nicht.

Böse Zungen sagen: gerade Märklin nicht.

Aber nicht alles ist Phantasie. Auch bei Märklin nicht. Und damit wir ewigen Kritteler es auch glauben, hat Märklin der zweiten Packung "Wirtschaftswunder", No. 48783, ein Faksimile eines Prospektes der Firma "Deutsche Eisenbahn-Güterwagen-Reklame KG Fr. Albert Jentzsch" aus Berlin-Tempelhof beigelegt, der die Vorbilder der Wagen aus den Sets 48782 und 48783 als zeitgenössische Farbfotos zeigt, anscheinend schon damals der Fa. Märklin & Cie. G.m.b.H., Göppingen, übersandt und datiert vom 12.11.52. Das ist nicht nur ein interessantes Zeitdokument, sondern auch ein löblicher Service am Frokler! :-)

Und so geriet mir dieses Blatt auch zufällig jeweils unter das Gleisstück, als ich die fünf Wagen für diese Seite fotografiert habe. Von den Sets liegen hier jeweils mehrere herum -- sie eignen sich nämlich auch zur preiswerten Gewinnung von ganz normalen, zudem auch noch schick Epoche-3a-beschrifteten G 10 --, und nur dank dieser schönen Beigabe darf auch je einer dieser Wagen so bleiben (allfällige Superungen natürlich außen vor) und dann auch beim Fremo werben.

Aber immer dran denken: "Die Abschlüsse auf Werbe-Güterwagen können immer nur auf ein Jahr getätigt werden" -- also beim Altern nicht so stark reinhauen, denn "Für die Erstellung von Werbe-Güterwagen werden ausschließlich fabrikneue G-Wagen herangezogen, sodaß also der Gesamteindruck dieser Wagen an sich dem Beschauer ein wohltuendes Bild vermittelt"! Fabrikneue G 10? "Achwas", um es mit Herrn v. Bülow zu sagen. Aber vollaufgearbeitet werden sie wohl gewesen sein. Und auch stückzahlmäßig ist Zurückhaltung geboten: "Nur 3000 Wagen, d.h. 2 ½ % des G-Wagenbestandes, sind für Werbung freigegeben." Das bedeutet: auf 5 Werbewagen bräuchten wir 195 normale G-Wagen. Naja, auf Großtreffen mag es hinkommen. Jedenfalls: "Im Güterzug nur 2 bis 3 Wagen mit Werbung, daher größter Blickfang und Werbeerfolg."

Münsterland
Bild 12: DR Brit-US-Zone 121 371 G 10 "Münsterland" (48782-02)

Pelikan
Bild 13: DR Brit-US-Zone München 48 560 G "Pelikan" (48783-01)

Stricker
Bild 14: DB 129 931 G 10 "Stricker" (48783-02)

J.J.Darboven
Bild 15: DB 120 007 G 10 "J.J.Darboven" (48783-03)

Anhang 3: Eine Theorie zum alten Märklin-Wagen

Alter Märklin G Kassel mit Handbremse
Bild 16: Der alte Märklin-G Kassel mit Handbremse. Foto mit freundlicher Genehmigung übernommen von dieepoche2.de. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Was mag da nur schiefgelaufen sein, Anfang der 80er in einem Konstruktionsbüro in Göppingen? Das fragen sich seither sicher so einige Modellbahner. Wie kommen die darauf, dem G 10 (wie ich ihn mal weiterhin trotz der höchst amüsanten Beschriftung nennen möchte) im ganz linken Feld eine Ladeluke zu verpassen? Welche Länderbahn hatte das so? Wer hat ein Vorbildfoto?

Und dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren:

Ausschnitt aus dem Musterblatt A2 zum G Kassel
Bild 17: Ausschnitt aus dem Musterblatt A2 zum G Kassel. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Flüchtig betrachtet, sieht der Handbremswagen auf der Zeichnung des Musterblatts A2 genauso aus! Nanu, wieso das denn? Nun, wer Augen hat zu lesen, der lese. Ganz oben in der Zeichnung: "Schnitt a-b". Wie man aus der Draufsicht (genaugenommen: dem Schnitt c-d) erschließen kann, handelt es sich um die Innenansicht der Seitenwand! Und natürlich sitzen Lade- und Lüftungsöffnung, von innen gesehen, spiegelverkehrt.

Konsequenterweise hat Märklin dann die andere Seite des Wagens auch wieder richtig herum ausgeführt. ;-)

Dies nur als kleinen Schmunzler zum Abschluß. Danke fürs Durchhalten!


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Zuletzt bearbeitet am 22. Dezember 2016   Technische Probleme? Mail an Webmaster