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Keg Harbor Railroad & Navigation Company

Aus der Reihe "Modellbahnfroklers Anlagen"

Planung, Gestaltung, Zeichnungen und Fotos: Ulrich Abramowski

Inhalt
1. Baubericht

1. Baubericht (23.04.2014)

Vowort

Seit ich 1974 Gelegenheit hatte, eine Fahrt auf den Resten des einstigen großen Schmalspurnetzes der Denver & Rio Grande Railroad von Durango nach Silverton zu genießen, haben mich amerikanische Schmalspurbahnen fasziniert. Wo trifft man sonst noch Dampfloks auf kleiner Spur an, die die Dimensionen einer ausgewachsenen deutschen Schnellzuglokomotive haben? Eine Umsetzung dieser Faszination in eine kleinerem Maße kam aber leider nicht in Frage. Damals war in Deutschland weder Gleis- noch Rollmaterial zu beziehen und ein Import der wenigen Messing-Handarbeitsmodelle war wenig Taschengeld-freundlich. So wurde dieser Traum für viele Jahre und Jahrzehnte begraben. Als dann Blackstone vor einigen Jahren anfing, in China gefertigte H0n3 Loks und Wagen auf den Markt zu bringen, flammte die alte Faszination wieder auf. Leider wurden die Hoffnungen enttäuscht – die Preisstellung war wiederum außerhalb meiner Reichweite. Folglich wendete ich mich anderen Dingen zu, aber Schmalspur sollte es auf jeden Fall sein. So wurde mein Projekt „Schietwedderooger Kleinbahn“ geboren, dass aber nie laufen lernte. Aus einem Kompromiss heraus entstanden, war ich nie so richtig mit dem Herzen dabei.

Als vor einigen Wochen ein Überraschungsgeschenk bei mir ankam, flammte die alte Liebe lichterloh auf. Das Paket enthielt eine Bachmann 0n30 Forney-Tenderlok, ein niedliches, nicht mal so kleines Lökchen – viel zu schade, um in einer Vitrine zu versauern. „Schietwedderooge“ wurde folglich verbuddelt, es musste etwas anderes her!

Eine Forney ist beileibe keine Gebirgslok, sodass eine Bahn, wie die D&RGW sich nicht anbot. An der Ostküste der Vereinigten Staaten wurden ich dann fündig. Im Bundesstaat Maine gab es bis in die 1940er Jahre eine Anzahl kleiner Bahnen mit 2 Fuß Spurweite, die als Vorbild herangezogen werden konnten. Zu nennen sind die Sandy River & Rangeley Lakes Railroad, die Wiscasset, Waterville & Farmington Railway und die Bridgton & Harrison Railway. Alle diese Bahnen setzten Forneys ein, einige davon sind bis heute erhalten und verrichten Museumsdienste.

Die Legende

Keg Harbor ist eine kleine Gemeinde an der Küste Maines, ein idyllischer Ort, der seinen Namen von den Fassmachern bekam, die sich in den Anfängen des 19. Jahrhunderts dort ansiedelten. Die Eichen in der Umgebung waren ein idealer Rohstofflieferant für Fässer besonderer Qualität, die nicht nur bei den Whisky- Destllerien aus Kentucky geschätzt wurden. So manches Fass fand auch eine Weg über den großen Teich, um einen edlen Traubensaft zu beherbergen und zur Reife zu bringen. Ende des 19. Jahrhunderts waren aber die Wälder in der unmittelbaren Umgebung bereits abgeholzt, sodass die für die Fassherstellung benötigten Eichenbretter aus immer größerer Entfernung nach Keg Harbor gebracht werden mussten. Zu diesem Zweck entschloss man sich, eine Bahnlinie zu bauen, die Keg Harbor mit der Hauptline der Boston   Maine Railroad im 20 Meilen entfernten Oakridge verband. Um Geld zu sparen, entschied man sich für eine Schmalspurlinie, mit einer Spurweite von 2 1⁄2 Fuß. Durch die Bahnlinie erlebte Keg Harbor eine Blüte, zu der auch der aufkommende Tourismus beitrug, denn viele Sommerfrischler, die sich die mondänen Badeorte an der Ostküste nicht leisten konnten, fanden in Keg Harbor einen idealen Ort, um in idyllischer Umgebung sich zu erholen. Das nach dem 1. Weltkrieg verhängte Alkoholverbot führte zu einem jähen Ende der Fassproduktion in Keg Harbor und der Ort verfiel in einen Dornröschenschlaf – bis ein gewisser Alfonso Gabriele C., genannt Al, den Ort entdeckte und seine Lage in der Nähe zu der kanadischen Grenze für seine Geschäfte zu nutzen wusste. Unzählige Fässer kamen über ́s Meer nach Keg Harbor, gefüllt mit Destillaten und Bränden jeder Sorte. Die Bahn transportierte die Fässer weiter zu den Endabnehmern in den Metropolen. Das Geschäft lief derart gut, dass der Volksmund Keg Harbor in „Bootleg Bay“ umbenannte. Wegen der vielen zwielichtigen Gestalten blieben allerdings die Touristen aus und kamen auch wegen der dann folgenden Wirtschaftskrise nicht mehr wieder. Keg Harbor war somit einem gewissen Verfall ausgesetzt, der einen morbiden Charme hat.

Der Plan

Nachdem sich über die Legende das Thema und die Ära der Anlage verfestigte, kam die schier unlösbare Frage auf, wie ich das alles in meine doch sehr beengten Platzverhältnisse hineinzwängen kann. Einen großen Keller- oder Dachraum habe ich nicht, und auch das Modellbahnzimmer wird noch als Büro, Gäste- und Wäschezimmer genutzt. Die einzige Möglichkeit, eine Anlage zu bauen, ist als Regalanlage entlang einer Wand. Mit 3,25 m ist diese Wand schon ganz ordentlich lang, aber der Maßstab 1:48 erfordert viel Platz. Verhandlungen mit meiner Regierung brachten nicht das gewünschte Ergebnis, wohl aber die Empfehlung, etwas kreativer mit der Platzfrage umzugehen. Nach einer Kreativzeit entwickelt sich dann ein „T“-förmiges Grundstück für meine Anlage, wobei der Fuß des „T“'s mobil gestaltet werden muss. Nach etlichen Versuchen, einen ansprechbaren Gleisplan mit interessanten betrieblichen Möglichkeiten zu entwickeln, fand dann der folgende Plan den Beifall der Kommission:

Gleisplan der Keg Harbor Railroad & Navigation Company
Bild 1: Gleisplan der Keg Harbor Railroad & Navigation Company

Der „Geigenkasten“ oder Neuhochdeutsch „Fiddle Yard“ am rechten Anlagenrand erforderte zwar eine Nachverhandlung, wurde aber mit der Bemerkung gebilligt „das Ding muss auf jeden Fall abnehmbar und transportabel sein“.

Ein jedes Bauvorhaben erfordert eine gesicherte Finanzierung. Um die Zeit bis zur Mittelbeschaffung zu überbrücken, habe ich weitere Pläne entwickelt, so den Konstruktionsplan für die Segmente,

Segmentplan der Keg Harbor Railroad & Navigation Company
Bild 2: Segmentplan der Keg Harbor Railroad & Navigation Company

den Verdrahtungsplan,

Verdrahtungsplan der Keg Harbor Railroad & Navigation Company
Bild 3: Verdrahtungsplan der Keg Harbor Railroad & Navigation Company

sowie einige Detailpläne für Gebäude und die beiden Piers. Ganz ohne Pläne geht der Bau nicht, da jedes Gebäude im Eigenbau enstehen wird.

Der Leuchtturm:

Bauzeichnung für den Leuchtturm
Bild 4: Bauzeichnung für den Leuchtturm

Das Bahnhofsgebäude:

Bauzeichnung für das Bahnhofsgebäude
Bild 5: Bauzeichnung für das Bahnhofsgebäude

Pier 1:

Bauzeichnung für Pier 1
Bild 6: Bauzeichnung für Pier 1

Pier 2:

Bauzeichnung für Pier 2
Bild 7: Bauzeichnung für Pier 2

Emily Watson's Boarding House:

Bauzeichnung für Emily Watson's Boarding House
Bild 8: Bauzeichnung für Emily Watson's Boarding House

...und das Harbor View Hotel:

Bauzeichnung für das Harbor View Hotel
Bild 9: Bauzeichnung für das Harbor View Hotel

Parallel zur Planentwicklung hat der Bau der Segmentkästen begonnen. Gebaut wurden diese aus 12 mm MDF-Platten, die erstaunlich stabil sind, leider aber auch ein ordentliches Gewicht haben. Beim Verschrauben der Platten muss darauf geachtet werden, dass entsprechende Löcher vorgebohrt werden und ausschließlich Spanplattenschrauben verwendet werden, sonst reißt das Material.

Aufgrund des doch sehr hohen Gewichtes habe ich die ursprüngliche Absicht fallen lassen, ein handelsübliches Regalsystem mit Schienen und Trägern zu nehmen und stattdessen Schwerlasttäger gewählt, die pro Paar mit bis zu 300kg belastbar sind. Keine Angst, soviel wiegen die Segmente nicht, aber sicher ist sicher...

Rechtzeitig vor den Ostertagen war die Grundlage für den Anlagenbau geschaffen.

Unterbau der Anlage
Bild 10: Unterbau der Anlage

Zwischenzeitlich haben die Gleisverlegearbeiten begonnen. Das verwendete Peco 0e-Gleis lässt sich sehr gut verlegen, weil es eine gewisse Steifigkeit hat, die gerade beim Verlegen von Kurven nützlich ist. Auf ein Schotterbett habe ich bewusst verzichtet, da Schmalspurbahnen auch in den USA in der Regel die Gleise einfach „in den Dreck“, d.h. ohne einen hauptbahnähnlichen Oberbau, verlegt haben.

Die folgenden Bilder zeigen den Bautenstand zum 21.04.2014:

Gleibau
Bild 11: Bautenstand zum 21.04.2014

Gleisbau
Bild 12: Bautenstand zum 21.04.2014

Wie geht es weiter? Zunächst einmal mit der Verdrahtung, dann muss die Kreuzung im Bereich des Gleisdreiecks gebaut werden – sicherlich eine Herausforderung. Wenn alle Gleis liegen und verdrahtet sind, werden die Gleise mit „Railroad Tie Brown“, einer bräunlichen Farbe, die Rost und Dreck simuliert mittels Airbrush eingfärbt. Danach folgt das Einschottern, aber das ist Stoff für den nächsten Bericht!

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Zuletzt bearbeitet am 23. April 2014   Technische Probleme? Mail an Webmaster