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Linz und Villach von Roco

Aus der Reihe "Modellkritik"

Von Erik Meltzer <ermel@modellbahnfrokler.de>

Vorwort

Vor fast einem Vierteljahrhundert kamen die ersten maßstäblichen Modelle des Ommr Linz, später Omm 32 der DB, auf den Markt. Liliput, damals noch in Wien zuhause, hatte höchst innovative Modelle gebaut, die allerdings nicht ganz frei von Kritikpunkten waren -- und auch am einige Monate später folgenden Omm 33 alias Villach gab es so einiges zu bemäkeln.

Omm 33 (Villach) mit Bremserhaus von Roco
Rocos Villach mit Bremserhaus, wie alle Modelle in diesem Artikel noch nicht zugerüstet.
Wenn meine Modelle fertig sind, gibt's zumindest bessere Aufmacherfotos.
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Geschichte wiederholt sich: in diesem Jahr ist es Roco, die uns Linzen und Villachse beschert haben, und auch in diesem Jahr gab es in den Foren eine dicke Packung Gemecker dafür. Wollen wir doch mal genauer hinkucken, was da so geliefert wurde -- und auch den Vergleich zu Liliput nicht vergessen, denn der ist mitunter recht erhellend ...

Inhalt

Ventre piscis -- der Omm 32 mit Fischbauch

Omm 32 (Linz) mit Fischbauchlangträgern von Roco
Der Fischbauchlinz, das erste Modell dieses Vorbilds "öwwerhaupts".
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Zweifelsohne das wichtigste Modell aus Rocos 2016er Omm-Neuheitenreigen ist die erste Bauart des Omm Linz, bei der DB Omm 32, mit Fischbauchlangträger. Im Gegensatz zu der späteren Bauform des Linz und zum Villach mit Außenlangträger, der ja im Modell nur ein paar PS-Streifchen erfordert, selbst wenn man ihn selbst bauen müßte, ist nämlich so ein Fischbauchlangträger ein formal durchaus komplexes Gebilde.

Fischbauchlangträger am Roco-Linz Und das hat Roco erwartungsgemäß prima hinbekommen. Auch das vorbildgerecht gegenüber den anderen Varianten schmalere Sprengwerk paßt, genau wie der Wagenkasten, der mit werkseitig angesetzten, sehr schönen Kniehebelwellen und vom Käufer anzubringenden Griffstangen genauso zu überzeugen weíß wie mit seiner Innendetaillierung. Auch am Fahrwerk ist alles dran, was man so braucht, bis auf die Rangierertritte -- die liegen wieder zur Eigenmontage bei.

Zurüstteile vom Roco-Linz Überhaupt die Zurüstteile. Außer den drei Sorten Griffstangen (Ecksäulen, Türen, Kopfklappen) gibt es noch Zughaken und Bremsschläuche, jeweils in verkümmerter Ausführung für den Modellbetrieb mit Kurzkupplungsköpfen und in kompletter für Vitrineneinsatz oder nachzurüstender Kupplung in der Pufferbohle, und außerdem als milde Beigabe Heizkupplungen für Elektro- und Dampfheizleitungen, die das Vorbild nicht hatte. Besonders nett: alles außer den Rangierertritten und den Zughaken/Originalkupplungsimitationen liegt in reichlich bemessender Stückzahl bei. Vorbildlich! Und was übrigbleibt, kann ja an die Bastelkiste verfüttert werden -- im Zeitalter der chinesischen Alles-komplett-Fertigmodelle verhungert die ja ohnehin fast.

Insgesamt ist Rocos Fischbauchlinz schon sehr ordentlich geworden. Mit einem Straßenpreis unter 25 Euro ist er zudem sehr angenehm preiswert. Die Zurüst-Orgie ist sicher nicht nach jedermanns Geschmack, nach meinem aber schon -- wohlig erinnere ich mich Rocos württembergischer D-Zug-Wagen, für die "Teilbausatz" eine treffende Handelsbezeichnung gewesen wäre --, denn zum Umbauen und auch zum ordentlichen Altern ist es praktisch, wenn der ganze Kleinkram noch nicht dran ist und also auch nicht kaputtgehen kann. Wer vorbildgerecht aussehende Wagen will, muß beim Alles-Ansetzen-Profi Brawa den ganzen Kleinkram ja eh noch braun überlackieren -- ob das so viel schneller geht, als ihn selber anzubauen, sei dann ja auch noch mal dahingestellt.

Omm 32 (Linz) mit Fischbauchlangträgern von Roco
Noch wirkt er ungewohnt, der Linz mit Fischbauchlangträgern und den hier sehr prominenten Panzerhaken an den Ecken. Aber das wird sich schnell legen, denke ich.
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Einziger Wermutstropfen aus meiner Sicht sind, mal wieder, die Bretterfugen. Sie sind nicht schlechter als die der meisten neuen Güterwagenmodelle heutzutage, Brawa ausdrücklich eingeschlossen, aber sie sind schon deutlich breiter, als sie sein müßten. Nein, dieses Modell ist keine Katastrophe wie der Liliput-Königsberg (Om 21) oder gar der Märklin-Oppeln (Gms 30), aber es ist diesbezüglich eben auch keine optische Wohltat wie der Fleischmann-Kassel (Gr 20), der Roco-ex-Klein-Modellbahn-Glmhs 50 oder der Piko-Breslau/Essen (Om 12) von 1959 (!), um jeweils nur einige Beispiele herauszugreifen.

Aber zum Thema Bretterfugen kommen wir unten nochmal.

Wagen mit Blechdose -- der Omm 33 mit Bremserhaus

Im Gegensatz zum Fischbauchlinz ist der Villach eine Doppelentwicklung. Genaugenommen sogar eine Dreifachentwicklung: Piko hat auch noch einen, der seine Wurzeln in der DDR der 1960er Jahre hat. Obwohl das für seine Zeit ein tolles Modell war und mit einigem Aufwand auch heute noch ansehnliche Modelle daraus entstanden sind und entstehen können, bleibt der Piko-Wagen hier aber unberücksichtigt.

Omm 33 (Villach) mit fehlendem Bremserhaus von Liliput und mit vorhandenem von Roco
Bremserhausvillachse: links Liliput mit entschuldigt fehlendem Bremserhaus, unentschuldbar falschen Bühnentrittstufen vom Linz und unentschuldigt vorhandenen, da überflüssigen Kopfklappenlagern und Panzerhaken, rechts Roco ohne solche Stirnrunzler.
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Einen Liliput-Handbremsvillach habe ich aber zum Vergleich gebeten, leider fehlte dem Fotomuster aber das Bremserhaus -- aber glaubt mir, dieses Manko hilft dem Liliput-Modell im Vergleich eher, denn dieses Bremserhaus war wirklich arg mißraten.

Achshalter des Roco-Villach Aber es geht ja um den Roco-Wagen. Und der ist wie auch der Linz sehr schön, was will man auch anderes erwarten. Nebenstehend ein Bild eines seiner Achshalter (freundlicherweise zugeliefert von Timo), das sich in voller Größe zu betrachten lohnt: so fein geht das als einteiliges Spritzteil heuzutage! (Diese Betonung ist der Tatsache geschuldet, daß ich gestern einige Jahre meiner Lebenserwartung an das Zusammenstoppeln eines teilzerschellten Brawa-Fahrwerks verloren habe. Seitdem finde ich einteilig spritzgegossene Laufwerke noch viel schöner als vorher. ;-)

Omm 33 (Villach) von Liliput und Roco
Hinten der Liliput-Villach, vorn das Roco-Modell. Außer der Innendetaillierung und -lackierung des letzteren beachtenswert: die dünner wirkenden Bordwände mit besser angedeuteten U-Profilen der senkrechten Kastenrungen und die vorbildlicher profilierten Türen.
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Roco-Villach mit demontiertem Bremserhaus Als kleinen Service an die Froklergemeinde hier noch ein Bild des Roco-Villach mit demontiertem Bremserhaus. Wir erkennen: Keinerlei Kastensäulen. Das ist für Bremserhauswagen natürlich egal, für eine allfällige Version mit Bremserbühne aber interessant. Keine Säulen bedeuten fürs Frokeln einer solchen zumindest schon mal keine falschen Säulen! Die Aufnahme fürs Bremserhaus auf dem Boden der Bühne ist uns Froklern jedenfalls schon mal viel lieber als die auch gelegentlich zu findende am Wagenkasten -- den Bühnenboden zu ersetzen ist ja eine Fingerübung gegen das Einebnen und Bretterfugenritzen am Wagenkasten. Eine evtl. folgende Roco-Serienvariante ohne Bremserhaus wird aber hoffentlich schon werkseitig richtig sein.

Von den vorbildentsprechenden Unterschieden abgesehen, entspricht der Villach natürlich dem unten folgenden Außenrahmen-Linz. Es ist aber durchaus betonenswert, daß diese vorbildentsprechenden Unterschiede auch allesamt berücksichtigt wurden -- der Liliput-Villach hat des Linzens Panzerhaken und Bremserbühnenaufstiegstritte genauso geerbt wie die Handbremsräder unter dem Wagenboden. Daß er außerdem auch am Handbremsende Kopfklappenlager aufweist, die Handbremsversion des Rahmens durch unbeholfen angestoppelte Plastikteile an beiden Enden realisiert wurde (beim Vorbild geht der Außenlangträger auch beim Handbremswagen von Pufferbohle zu Pufferbohle durch!) und auch das Fahrwerk ein paar lustige Vereinfachungen wie z.B. freischwebende Bremsbacken aufweist, sei hier nur noch mal erwähnt für all jene, die den Roco-Villach wegen seiner breiteren Bretterfugen unzumutbar oder geschenkt noch zu teuer finden -- all diese Kompromisse hat Roco nicht gemacht, und dafür haben sie aus meiner Sicht wirklich Beifall verdient!

Das Nicht-Handbremsende der Omm 33 (Villach) von Liliput und Roco
Nicht-Handbremsende: hinten wieder Liliput, vorn Roco. Feinere Bretterfugen bei Liliput, viel bessere Kopfklappenstreben bei Roco. Die fehlende Kniehebelwelle liegt bei Liliput im Zurüstbeutel, aber Roco seine ist eh schöner.
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Wirklich kraß finde ich aber die Unterschiede am anderen Ende des Wagens. Mag man die fehlenden Seilösen und Rangierergriffe des Liliput-Modells noch mit dessen Alter und Metall-Rahmen begründen, so fehlen mir zur Gravur der Kopfklappe die Worte. Da ist auch das Alter des Modells kein Argument mehr -- das konnte Piko schon 1959 besser, und alle anderen Hersteller auch.

Auch wenn die Bretterfugen für Liliput sprechen: wirklich alles andere spricht in diesem Vergleich für Roco. Und zu alledem ist das Roco-Modell auch noch günstiger -- vielleicht noch nicht günstiger als Liliput heute, aber günstiger als Liliput damals! Denn ich kann mich erinnern, für meinen ersten Liliput-Villach deutlich über 30 Mark gezahlt zu haben damals. Und 30 Mark waren damals ziemlich genau so viel Geld wie 25 Euro, Rocos UVP für den Villach, heute.

Doppeltes Linzchen -- der Omm 32 mit Außenlangträger

Omm 32 (Linz) mit Bremserbühne von Liliput und Roco
Nur auf den ersten Blick gleich: Die Handbrems-Enden der Linze von Liliput (links) und Roco. Auch hier wieder Kopfklappenlager und zuviele, aber dafür zu flache senkrechte Wandprofile bei Liliput. Die Löcher für die Eckgriffe sitzen bei Roco zu weit innen, aber immerhin korrekt in der Stirnwand, bei Liliput hingegen noch falscher in der Seitenwand: hier ist ein Ausschnitt aus der Zeichnung.
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Ist also des Villachs Doppelentwicklung angesichts der zahlreichen Kompromisse und Fehler des Liliput-Modells gut einsichtig, kommt beim Außenrahmen-Linz der Erstserie (im Doppelpack mit dem Fischbauchlinz von oben) schon eher leichtes Stirnrunzeln auf, denn hier stehen nun zwei auf den ersten Blick gelungene Modelle vor mir. Daß der Liliput-Wagen, wie im Bild oben zu sehen, schon wieder Kopfklappenlager und eine kopfklappentypische Verstrebung der Stirnseite hat, ist ein bißchen ärgerlich, aber diese und die Verfeinerungen am Fahrwerk sollten einem doch die schmaleren Bretterfugen von Liliput wert sein.

Äh. Moooment mal ...

Omm 32 (Linz)-Seitenwände von Liliput und Roco
Seitenwände der Linze von Liliput (oben) und Roco. Man beachte auch der ersteren falsche Typographie im Hauptanschriftenfeld.
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... welche feineren Bretterfugen eigentlich? Tatsächlich: hier nehmen sich die beiden nix. Nachdenken fördert, zumindest bei alten Säcken wie mir, die Erinnerung daran zutage, daß Liliput damals auf die Kritik an des Linzens Fugen mit schmaleren Fugen am Villach reagiert hatte. Hach, goldene Zeiten -- als die Fachpresse sich noch zu kritisieren traute und die Hersteller noch etwas darauf gaben. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen sowas ...

Omm 32 (Linz)-Seitenwände von Roco
Seitenwände der Linze von Roco: Außenlangträger vs. Fischbauch. Mehr Unterschiede als erwartet, aber genauso viele wie nötig.
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Bemerkenswert auch: die vorbildgerechten Unterschiede der Seitenwände bei den beiden Varianten des Roco-Linz, am auffallendsten natürlich die senkrechten Rungen aus U-Profilen beim Wagen mit Außenlangträgern und aus T-Profilen beim Fischbauchwagen. Aber auch die Knotenbleche in den Ecken und an den schrägen Verstärkungen sind anders. Chapeau, damit habe ich nicht gerechnet.

Das Nicht-Handbremsende der Omm 32 (Linz) von Liliput und Roco
Déja-vu am Nicht-Handbremsende: hinten wieder Liliput, vorn Roco. Bis auf den Unterschied bei den Bretterfugen, der hier fehlt, alles wie beim Villach.
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Das Bild vom Nicht-Handbremsende zeigt auch, daß bei Liliput manchmal ohne erkennbaren Grund die Pufferbohle (bzw. hier ihre Plastik-Verlängerung wegen Handbremse) etwas vorsteht. Schwerer wiegen natürlich auch hier die Kopfklappenrungen aus Flacheisen statt Doppel-T-Trägern.

Unterseite mit Sprengwerk der Omm 32 (Linz) von Liliput und Roco
Liliput hat ein schickes durchbrochenes Metallfahrwerk und die etwas schmaleren Achshalter, aber Roco hat das schönere Sprengwerk und alles, was man von der Seite sieht, besser getroffen.
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Fazit

Insgesamt ist selbst die bei Ankündigung eigentlich enttäuschende Doppelentwicklung des Außenlangträger-Linz mit versenkbarem Handbremsbühnen-Geländer dann doch ein erfreulicher Modellbahngüterwagen geworden, wie überhaupt die ganze Serie es geschafft hat, deutlich besser zu werden, als ich alter Pessimist es erwartet hatte. Und so ist dann aus meinem ursprünglichen Vorsatz, davon nur zu beschaffen, was es von Liliput entweder nur arg mißlungen (Bremserhausvillach) oder gleich gar nicht gibt (Fischbauchlinz, übrigens auch mit dem älteren, klappbaren Handbremsbühnen-Geländer schon als Handmuster gezeigt und hoffentlich bald erhältlich), dann doch eine Sympathie für diese Wagenmodelle geworden, die sich sicherlich auch weiterhin in meinem Beschaffungsprogramm auswirken wird.

Die Liliput-Wagen müssen deswegen natürlich nicht weg, dafür gibt es ja schließlich den Umbausatz vom Aw Lingen. Wer aber keine davon hat, dem würde ich heute auch nicht mehr zu ihrer Beschaffung raten. Schade bleibt, daß Roco sich bei den Bretterfugen vom Liliput-Linz statt von deren oder dem noch besseren Piko-Villach hat inspirieren lassen. Mit dem Ergebnis kann ich aber trotzdem prima leben, denn alles andere ist wirklich richtig gut geworden.

Doch, schön gemacht. Meine Empfehlung!

Nachtrag 1 -- die Sache mit der Rahmenhöhe

Anderswo las ich als (freilich Roco-Modell-induzierte) Kritik am Liliput-Villach, daß er ja fälschlicherweise des Linzens höheren Rahmen habe. Und es scheint ja auch zu stimmen: beim Roco-Linz mit Außenlangträger ist derselbe deutlich höher schwarz lackiert als beim Roco-Villach, während bei Liliput beide denselben Rahmen und damit auch dieselbe Farbtrennkante haben.

Nur leider unterscheiden sich die Vorbildrahmen nicht. Man sehe und staune:

Rahmenvergleich
Zeichnungsausschnitt aus den Original-Musterzeichnungen zum Vergleich der Rahmen.
Zum Wechseln zwischen Linz und Villach mit der Maus über das Bild fahren.
Wenn's nicht klappt (JavaScript ist an?), hier die Links: Linz und Villach

Was ist da also nun schiefgegangen?

Meine Theorie, und ja, bis jetzt ist es nur eine solche: Beim Linz sind ja die Bordwände abnehmbar. Oben auf dem Rahmen befinden sich Bodenbretter. Die werden sicherlich durch ein Winkeleisen eingefaßt sein, und dieses Winkeleisen sitzt natürlich oben auf dem Außenlangträger und ist wie er schwarz lackiert. Auf Fotos mag das aussehen wie ein entsprechend höherer schwarzer Rahmen, und dementsprechend ist an den Modellen auch keine Fuge oder Naht zu erkennen, wie sie beim Vorbild Rahmenträger und Winkeleisen trennt. Was beim Linz-Modell ja noch nicht schlimm ist: ist ja alles schwarz. Am Wagenkasten hat der Linz dann auch noch so eine Kante an der Unterkante der Seitenwände; das wird wohl die Einfassung der Bretterkanten mit einem weiteren Winkeleisen sein, denn ohne die würden die herausgehobenen Bretterwände sicher schnell beschädigt werden. Diese Kante ist an beiden Linz-Modellen vorhanden und korrekt braun. Beim Linz also Entwarnung: alles gut!

Beim Villach erkennt man auf Vorbildfotos und in der Zeichnung zwischen dem untersten Brett und der Rahmenoberkante zwar auch eine entsprechend breite "Schicht", die der Stärke der Fußbodenbretter entspricht -- hat der auch so ein außenliegendes Winkeleisen? Dann würden die Seitenwände auf den Fußbodenbrettern stehen, das ergibt unterhaltungstechnisch keinen Sinn. Wie dem auch sei -- diese "Schicht" ist beim Regelanstrich des Villach jedenfalls braun, nicht schwarz wie beim Linz. (Es gab aber auch welche, bei denen sie später mal schwarz gestrichen wurde!) Wenn man nun einen Villach mit dem zu hohen Linz-Rahmen baut, ist der schwarze Streifen aka Außenlangträger zu breit -- und wenn man dann die untere Fuge doch wieder so graviert wie in der Zeichnung, und das hat Liliput getan, ist diese "Schicht" quasi doppelt vorhanden: einmal nicht graviert und fälschlicherweise schwarz im Rahmen, einmal graviert und korrekt braun am Wagenkasten. Bingo: der sichtbare Rahmen ist zu hoch!

Müssen die Liliput-Villachse jetzt also doch in den Schrott?

Das muß jeder selber wissen, aber meine jedenfalls nicht. Ich werde mal probieren, auf den Liliput-Rahmen einfach oben ein schmales Streifchen Güterwagenbraun zu lackieren oder aus lackiertem Zierlinienband o.ä. aufzukleben. Am Wagenkasten wird dafür die Kante der beim Villach nicht vorhandenen Einfassung der Seitenwände eingeebnet. Dann stimmt die sichtbare Höhe und sogar auch die Anordnung der Fugen -- Liliput hat das untere Brett zu schmal gemacht, so daß es zusammen mit der vorspringenden Leiste am Wagenkasten ziemlich genau das untere Normalbrett ergeben sollte.

Und nebenbei bemerkt gab es ja auch beim Vorbild Villachse (und wohl auch Außenrahmen-Linze) mit braunem Außenlangträger -- sowas wollte ich eh schon immer mal haben. (Fischbauchlinze mit schwarzer Wagenkastenunterkante, also dem feststehenden Teil in Schwarz, gab es sicherlich auch. Man wird Bilder wälzen müssen. Wie immer.)

Fazit zum Nachtrag: Noch ein Kompliment an Roco. Genau hingesehen und alles richtig gemacht! Aber Liliput ist in diesem Punkt auch weniger falsch als befürchtet.

Nachtrag 2 -- die Sache mit den Bretterfugen

Naja. Es war ja eigentlich klar, daß es zu den Fugen noch einen Nachtrag geben würde nach dem Shitstorm bei DSO und anderswo. Bretterfugen sind zwar mein Lieblingsthema, aber irgendwann ist damit auch mal gut, oder? Trotzdem, einige Punkte fehlten in dieser Besprechung offensichtlich noch. Und es ist ja auch schön, Leserfeedback zu bekommen!

Haben die beiden Linze verschiedene Fugen?

Diesen Verdacht äußerte ein Leser in der oben verlinkten Diskussion bei DSO wegen meiner Bilder der beiden Linze, auf denen der rechts stehende Fischbauchlinz jeweils deutlich auffallendere Fugen hat als der Außenrahmenlinz links. Das ist aber, wie ich auch dort geschrieben habe und hier nur der Vollständigkeit halber nachtragen möchte, ein Beleuchtungseffekt. Stapelt man Rocos Linze übereinander wie oben den Roco- und den Liliput-Linz, haben sie auch gleich aussehende Fugen:

Omm 32 (Linz)-Seitenwände von Roco
Seitenwände der beiden Linze von Roco. Keine Unterschiede bei den Bretterfugen.
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Zu diesem Thema also Entwarnung (und die Bitte um Verzeihung für meine irreführenden Fotos).

Verderben die Fugen die Beschriftung?

Dazu erreichte mich ein längerer Leserbrief von Andreas Klein, aus dem ich mit freundlicher Genehmigung hier zitieren möchte:

Bislang hatte ich die Bretterfugen-Diskussionen immer für überzogen empfunden. Klar, es gibt abschreckende Beispiele wie Märklin-Oppeln und Liliput-Königsberg oder -Kassel, aber ansonsten waren mir Bretterfugen weitgehend egal.
Nicht so beim neuen Roco Villach bzw. Linz. Dort stören mich die Bretterfugen auf einmal. Aber wieso nur? Sie haben doch völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass z.B. Brawa G10 und Roco-Villach in etwa gleich breite Bretterfugen haben. Und beim G10 stören mich die Bretterfugen nicht. Also habe ich mich in Ruhe hingesetzt und Brawa G10 Nr. 49085 (letztjährige Neuheit) mit Roco Villach Nr. 76250 verglichen. Die Fertigungsqualität des Brawa G10 lässt zu wünschen übrig, aber das ist hier nicht das Thema, denn der Druck ist einwandfrei. Was mir aufgefallen ist:
Die Bretterfugen des Brawa G10 beinträchtigen die Qualität des Druckes in keiner Weise. Das "G10" z.B. geht über eine Bretterfuge, aber der Buchstabe und die Ziffern erleiden dadurch keinerlei optische Beschädigung. Noch überzeugender ist das ABC-Raster: Die Mittellinie des Rasters liegt quasi genau auf einer Bretterfuge, aber die Linie wie auch das gesamte Raster erleiden dadurch weder irgendeine optische Beschädigung noch eine optische Verzerrung.
Ganz anders beim Roco-Villach: Das geht links oben beim Lastgrenze/Tragfähigkeitszeichen los: Die Zahlen "24.5" bzw. "25.5" sind durch die Bretterfugen stark beschädigt. Die "2" der "24.5" ist eigentlich gar nicht mehr als "2" zu erkennen. Man liest es nur als "2", weil man weiss, dass dort eine "2" stehen muss. Weiter zum "EUROP": Die gesamte Oberkante des Schriftzugs "EUROP" ist durch die Bretterfuge optisch beschädigt. Aus manchen Blickwinkeln habe ich den Eindruck, dass die Oberkanten des "R" und des "P" gänzlich verschwunden sind. Das "D" und das "B" des großen "DB" sind durch die Bretterfugen oben und unten optisch beschädigt. Weitere optische Beschädigungen finden Sie selbst.
Der Hintergrund des Anschriftenfelds links unten ist auch nicht gänzlich schwarz, sondern in den Bretterfugen teilweise braun. Beim Brawa G10 hingegen ist der Hintergrund des Anschriftenfelds komplett schwarz.
All diese optischen Beschädigungen nehme ich auch aus größerer Entfernung noch wahr mit der Folge, dass mir der Roco Villach insgesamt nicht gefällt. Ich denke auch, dass die Kanten der Bretterfugen beim Roco Villach deutlich härter (d.h. schärfer) sind als beim Brawa G10. Auch das nimmt das Auge unangenehm wahr. Würde man den Querschnitt der Bretterwände des Roco Villach und des Brawa G10 unter ein Messmikroskop halten, so bin ich mir sicher, dass man die unterschiedliche Härte der Kanten auch ganz klar quantifizieren könnte, vielleicht in Form deutlich verschiedener Ausrundungsradien, wahrscheinlich in Form deutlich verschiedener Fugentiefen.
Es besteht eben doch ein signifikanter Unterschied zwischen den Geometrien der Bretterwände von Roco Villach und Brawa G10, nur ist dieser Unterschied eben gerade nicht die Breite der Bretterfugen, wie Sie ganz richtig festgestellt haben. Diese Unterschiede sind für den Gesamteindruck des Modells viel ausschlaggebender als irgendwelche fehlenden oder falschen Details.

Soweit Andreas. Das hat mir dann keine Ruhe gelassen, und ich mußte meinen Villach dann doch nochmal unter die sprichwörtliche Lupe nehmen. Statt der Lupe nehm ich natürlich die Makrofunktion meiner Kamera, da habt ja auch Ihr mehr von. Voilà:

Omm 33 (Villach)-Seitenwand von Roco
Seitenwand des Villach von Roco. Leichte Unsauberheiten im Druck, nicht nur wegen der Bretterfugen -- aber auch.
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Mag sein, daß es da Schwankungen in der Qualität gibt, aber ich finde das alles jetzt nicht so dramatisch. Klar, stellenweise landen Linien genau in der Fuge, was sie beim Vorbild natürlich nicht können mangels Fugenbreite, und klar, einige Anschriften besonders am Rahmen nahe den Kastenrungen sind ein wenig verzerrt. Und klar, das können andere Hersteller besser. Aber die von Andreas beklagten braunen "Blitzer" im Kreidefeld hat mein Wagen zum Beispiel schon mal kaum (wohl aber in den Binderingen), nach dem Altern sind die garantiert weg.

Ohne die zu breiten Fugen wäre das so nicht passiert, natürlich. Und vielleicht wird nach dem Altern auch der eine oder andere Strich optisch fehlen (auch wenn ich natürlich keine Dreckfarbe in die Fugen schmieren werde, noch mehr betonen muß man die ja wahrlich nicht). Aber ich finde das auch alles nicht so dramatisch -- wer Vorbildfotos ankuckt, kann z.T. kaum erkennen, daß da ne Beschriftung drauf ist, geschweige denn sie lesen ...

Timo weist noch darauf hin, daß Liliput sich um das Beschriftung-vs-Fugen-Thema herumgemogelt hat, indem sie einfach die Beschriftung soweit verkleinert haben, daß sie jeweils zwischen die zu breiten Fugen aufs Brett paßt (von den schon monierten nicht korrekten Schriftarten dort jetzt mal ganz zu schweigen). Das kann man beim Liliput-vs-Roco-Vergleichsbild oben auch deutlich sehen. Und ehrlich gesagt ist mir die "Lösung" von Roco da schon lieber.

Soweit nun aber wirklich zum Fugenthema. Nach dem Zurüsten und Altern gibt's dann wohl noch einen Nachtrag 3. Und wenn noch wer ein von mir nicht oder unzureichend erhelltes Teilthema beizutragen weiß -- wie gesagt, ich freue mich immer über Feedback!


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Zuletzt bearbeitet am 6. Januar 2017   Technische Probleme? Mail an Webmaster