Modellbahnfrokler >> Kritik >> Käfer in H0   Kontakt Sitemap
www.modellbahnfrokler.de

VW-Käfer in H0

Aus der Reihe "Modellkritik"

Von Erik Meltzer <ermel@modellbahnfrokler.de>

Vorwort

Eine Autobesprechung auf Modellbahnfrokler.de? Ja, warum nicht? Autos, und gerade der Käfer, gehören zur Modellbahn der Epoche 3 unverzichtbar dazu. Nennt es von mir aus Ladegutbesprechung... ;-)

Vorbild

Über den Käfer sind schon Bibliotheken geschrieben worden; ich möchte nur die wesentlichsten Modelländerungen kurz zeigen, um die Einordnung der Modelle in die Epochen zu erleichtern:

Brezelkäfer
1948-52:
Brezelkäfer mit geteiltem Heckfenster.

Ovalkäfer
1952-56:
Ovalkäfer mit einteiligem, kleinen Heckfenster.

Dickholmer
1957-64:
Dickholmer: rechteckiges Heckfenster, kleine Scheiben.

Dünnholmer
Ab 1965:
Dünnholmer: rundum größere Scheiben.

68er
Ab 1968:
neue Stoßstangen, Scheinwerfer und Rückleuchten.

Käfer 1302
1970-72:
optional verlängerter Vorderwagen (Modell 1302).

Elefantenfußkäfer
Ab 1973:
große, runde Rückleuchten (sog. "Elefantenfüße"). Im Bild ein 1303 Cabrio, spielt aber für die Rückleuchten keine Rolle.

Käfer 1303
1973-75,
Cabrio bis 79: optional gewölbte Windschutzscheibe und verlängerter Vorderwagen (Modell 1303).


Zusammenfassend: Käfer mit schräg stehenden Scheinwerfern und glatten, im Profil rundlichen Stoßstangen entstammen der Epoche 3; solche mit senkrecht stehenden Scheinwerfern und profilierten, im Profil kastenförmigen Stoßstangen sind aus der Epoche 4. Praktisch. :-)

Marktübersicht

Fast jeder Hersteller von H0-Modellautos, und derer gibt's eine Menge, hat sich auch am VW-Käfer versucht. Logisch – meistgebautes Auto der Welt, Wirtschaftswunder-Symbol, Kultgefährt; dieses Auto verspricht große Marktchancen, Varianten ohne Ende und quasi eine Absatzgarantie unter Modellbahnern: kaum eine Anlage der Epochen 3 oder 4 braucht weniger als zehn davon.

Schade eigentlich, daß keines der derzeit erhältlichen – oder auch verflossenen – Käfermodelle allen Ansprüchen an Ausführung und Vorbildwahl gerecht wird.

Wiking

Bei Wiking hat man im Käferbauen fast soviel Erfahrung wie bei Volkswagen. Die älteren Modelle sollen hier aber nicht weiter besprochen werden; zum einen sind sie viel schlechter als die neuen, zum anderen praktisch unbezahlbar.

Aus Berlin gibt's derzeit fünf (!) ziemlich verschiedene Käfermodelle neu zu kaufen. In der Reihenfolge des Erscheinens sind das: das 1302 Cabrio, der Brezelkäfer Modell 1952, der 1200 Modell 1961, das entsprechende 1200 Cabrio und der 1303. Vom 1303 gab es zuvor jahrzehntelang ein altes Modell, das auf dem Gebrauchtmarkt und auf den Anlagen noch sehr zahlreich vertreten ist und das ich deswegen ebenfalls noch besprochen habe.

Das 1302 Cabrio: Wiking 1302 Cabrio Dieses Modell stammt aus den 70er Jahren, also aus derselben Zeit wie sein Vorbild. Das sieht man ihm auch an; es kann heutigen Standards nicht mehr gerecht werden. Karosserie und Fahrwerk sind an den Stoßstangen zusammengeklipst; der filigrane Eindruck einer Käferstoßstange kommt nicht recht rüber. Auffallend die deutlich gröbere Gravur am Vorderwagen; offensichtlich wurde seinerzeit der lange Vorderwagen nur an ein vorhandenes Modell des 68er Cabrios drangepfuscht. Die Windschutzscheibe ist mit Rahmen als klares Plastikteil gespritzt; das ganze Modell wirkt eher spielzeughaft. Die Proportionen passen auch nicht recht; der Vorderwagen wirkt für einen 1302 zu kurz. Daß man das Modell dann neuerdings auch noch mit den falschen Felgen der älteren Vorbilder samt Weißwandreifen aufzuhübschen versucht, wie im Bild eines recht aktuellen Exemplars zu sehen, macht dann auch keinen Unterschied mehr. Fazit: ein Klassiker im Wiking-Programm, aber kein Modell für heute – und ein recht seltenes Vorbild obendrein.

Der 1303 (altes Modell): Hier gilt das zum 1302 Cabrio bereits Gesagte ebenfalls: der alte 1303 ist ein klassisches Wiking-Auto, aber ein Modell, das heutigen Ansprüchen gerecht werden könnte, ist er nicht. So ziemlich das einzig Gute an diesem Käfer ist die sehr schön bündig eingepaßte Heckscheibe; das hat seither seltsamerweise kein anderer Hersteller mehr hingekriegt. Fazit: So allmählich könnte man diese Dinger wirklich mal von den Anlagen klauben und in den Ruhestand versetzen, erst recht wo's jetzt einen recht ordentlichen 1303 gibt (s.u.).

Der Brezelkäfer: Wiking Brezelkäfer Erschienen Mitte der Achtziger, enttäuschte auch dieses Modell – wer eine Neukonstruktion auf damaligem Stand der Technik erwartete, sah sich einem weiteren traditionellen Wiking-Käfer gegenüber, wiederum an den Stoßstangen zusammengeklipst. Erstaunlicherweise handelt es sich trotzdem nicht um einen Umbau der alten Form: die Abmessungen stimmen nicht überein, und der Radstand ist im Gegensatz zu den alten Modellen sogar zu lang (was aber nicht auffällt). Man hatte dem Modell aber immerhin die Zutaten des Brezelkäfers gegeben, und das an Front und Heck auch sehr überzeugend – die Heckpartie mit Motorhaube, Kotflügeln und Heckfenstern zeigt, was man in Berlin kann, wenn man darf.

Leider durfte man aber bei den Seitenfenstern nicht: sie sind viel zu riesig, entsprechen eher den Modelljahren ab '65 und werten mit den nicht freistehenden Stoßstangen das sonst gelungene Modell ab. Schade eigentlich. Da reißen's auch die neuerdings verbauten, recht schönen Felgen nicht raus, zumal sie für die vorbildentsprechenden 16-Zoll-Felgen zu klein und zu breit sind – wie überhaupt das Modell angesichts fehlender Dreiecksfenster in den Türen eher einen 1948-50er darstellt als den angegebenen '52er. Fazit: ein preiswertes Modell für "Massenszenen", aber nicht dioramentauglich.

Der 1961er: Wiking 1200 mit Faltschiebedach Mitte der 90er dann endlich ein neukonstruierter Wiking-Käfer. Als Vorbild wählte man das Modelljahr '61; das paßt auch ganz gut, nur leider sind die Seitenfenster erneut viel zu groß! Bei einem neuen Modell darf das wirklich nicht passieren, finde ich. Also gut, ist es eben ein '65er, dafür aber mit zu kleinen vorderen Blinkern, ebensolcher hinterer Nummernschildbeleuchtung und falsch angeordneten Stegen der vorderen Dreiecksfenster. Davon abgesehen kann das Modell schon ziemlich überzeugen; reichlich Chrom (Stoßstangen, Scheinwerferzierringe, seitliche Zierleisten und Türgriffe) und die erwähnten, leider einfarbig silbernen, aber sonst schönen Felgen tun ein Übriges. Die Motorhaube ist ein bißchen häßlich, aber das ist eher eine Kleinigkeit. Neuerdings gibt's das Modell auch mit Faltdach und dann sogar mit detaillierten Türinnenseiten, wie im Bild zu sehen; eine schöne Variante. Fazit: ein ordentliches Modell mit zu großen Fenstern und auch sonst ein paar kleinen Fehlern zu einem stolzen Preis.

Das 1961er Cabrio: Wiking 1200 Cabrio Folgerichtig hat man dann aus dem 1961er auch eine Cabrio-Variante abgeleitet. Das hat indes nicht so perfekt geklappt, leider. Klar, das detaillierte (wenn auch fälschlicherweise schwarze) Armaturenbrett und die ebensolchen Türinnenseiten (die dann auch die Limousine mit Faltdach bekommen hat) machen was hier, aber dafür sind die Proportionen des Windschutzscheibenrahmens daneben und die Türen zu niedrig (bzw., logisch, die (runtergekurbelten) Seitenfenster zu groß – irgendwie kommt einem das bekannt vor, nicht?) Schade; kann man (und werde ich) aber sicher mal ändern, ich werde dann berichten. Sonst ist das Modell aber okay. Fazit: Trotz der kleinen Mängel ein schönes Modell und eine wichtige Bereicherung des Angebots.

Der 1303 (neues Modell): Wiking 1303 Na also, geht doch. Kaum übt man ein paar Jahrzehnte, schon kann man auch in Berlin (bzw. jetzt Lüdenscheid, glaub ich) ordentliche Käfermodelle bauen. Die wenigen Vereinfachungen wie Anzahl der Luftschlitze, zu kleine vordere Blinker, einfarbig rote Rückleuchten, nicht korrekte Felgen/Radkappen etc. kann man getrost ignorieren, denn die Proportionen (auch der schwierigen gewölbten Frontscheibe) passen, die Detaillierung ist gut (sogar einen "VW 1303"-Schriftzug haben sie auf die Motorhaube gedruckt), und die Verglasung ist so schön klar, daß es sich lohnen dürfte, dem recht brauchbar detaillierten, aber komplett schwarzen Interieur freundlichere Farben zu verpassen, damit man davon auch was sieht. Einziges formales Stirnrunzeln: Dachlinie und Seitenfenster wirken ein klein wenig höher, kuppelartiger als beim AWM-1302 (s.u.); m.E. paßt letzterer besser. Wenn sie nicht gerade nebeneinanderstehen, fällt das aber nicht auf, und auch sonst nicht auf den ersten Blick. Fazit: Wer das Epoche-4-Vorbild gebrauchen kann, der kann mit diesem Modell glücklich werden. Aber auch für Epoche 4 fehlen die einfacheren Typen (Sparkäfer und spätere 1200) nach wie vor.

Praliné/Busch

Bei Busch, vormals Praliné, gibt's zwei Modelle: einen weiteren Brezelkäfer und ein daraus abgeleitetes Hebmüller-Cabriolet. Dieser Zweisitzer ist beim Vorbild extrem selten: nur gut 700 Stück wurden in den Jahren 1949-52 hergestellt, bevor der Karosseriebauer erst abbrannte und dann pleiteging.

Der Brezelkäfer: Licht und Schatten liegen eng beieinander. In vielem – Stoßstangen, Seitenfenster, Räder – überzeugender als das Wiking-Modell gleichen Vorbilds, krankt der Praliné-Käfer an seiner völlig verunglückten Frontpartie mit viel zu kurzer und zu breiter Kofferraumhaube. Außerdem ist das Modell deutlich kleiner ausgefallen als die anderen, was mich, ohne nachgemessen zu haben, vermuten läßt, daß es für H0 zu klein sein dürfte. Schade, sehr schade; der Variantenreichtum (Varianten mit Schiebedach, unzählige Kommunal- und Behördenversionen, und es gibt auch Ovalkäfer, glaubich), die Ausstattung (Chrom, Zweifarbenlackierungen etc.) und nicht zuletzt die Preisgestaltung hätten das Modell sehr empfehlenswert gemacht. Aber so? Da noch eher den von Wiking, tut mir leid. Fazit: Wer über die mißratene Frontpartie hinwegsehen kann, erhält optisch ansehnliche Modelle zu fairen Kursen in begeisternder Vielfalt, deren Maßstabsfehler nur auffallen, wenn man anderer Hersteller Käfermodelle danebenstellt.

Das Hebmüller-Cabriolet: Im Gegensatz zu dem früher hier Behaupteten hat der Brezelkäfer seinen größten Fehler, die verunglückte Frontpartie, seinem offenen Bruder nicht vererbt. Im Gegenteil sieht die gar nicht so schlecht aus. Über die Maßstäblichkeit kann ich nix sagen, weil ich das Modell nicht besitze, aber die Türen scheinen mir auch hier zu kurz zu sein – einem solchen Exoten kann man das aber verzeihen, finde ich. Fazit: Auf das sehr seltene Vorbild zu verzichten fällt nicht schwer, aber andererseits, einen könnte man ja ...

Brekina

Brekina 1300

Unter den Käfermodellbauern schon den Neulingen zuzurechnen, liefert Brekina nur ein Grundmodell, das den Modelljahren 1965-67 entspricht.

Der 1967er: Die ersten Modelle, die Brekina auslieferte, waren definitiv keine Nachbildung des 1965er Jahrgangs, wie angekündigt: es fehlte die Ausprägung der Motorhaube oberhalb der Kennzeichenleuchte. Mit den verwendeten Felgen mit gebuckelten Radkappen war das also am ehesten ein 1967er 1300 A; ein seltenes Vorbild, aber so genau kuckt keiner.
Der 1965-66er 1200: Nach wenigen Monaten (und einigen Kundenbriefen von mir) besann man sich und gravierte die Ausprägung in die Haube. Dieses Modell paßt auf die Modelljahre 1965-66, in letzterem aber nur als 1200, denn der 1300 hatte andere Radkappen.
Der 1966er 1300: Auch diese Version lieferte Brekina zeitweise; die Räder hatte man ja schon für den hauseigenen VW 1500 Typ 3 gebaut. Das Bild zeigt diese Version.

Allen Modellen gemeinsam ist die mit zwei Ausnahmen schön gravierte Karosserie, an der man auf den ersten Blick nur vordere Blinker und Rückleuchten ernsthaft bemäkeln kann. Der Eindruck eines Epoche-3-b-Käfers kommt voll rüber. Die beiden Ausnahmen hingegen verderben ein klein wenig die Freude, sobald man sie dann doch gesehen hat. Weiterlesen also auf eigene Gefahr! :-)

Ausnahme 1 sind die hinteren Kotflügel. Die sind eine Idee zu schmal ausgefallen, was in Heckansicht schon ein wenig die Optik verdirbt. Schwerer indessen wiegt die zweite Ausnahme, ein klassisches Beispiel für "Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht". Brekina ist das ansich beeindruckende formbautechnische Kabinettstückchen gelungen, Verglasung und Karosserie zweifarbig zusammenzuspritzen; dadurch ist der Brekina-Käfer seit Wikings seligem 1303 das erste Käfermodell mit bündig liegendem Heckfenster. So weit, so gut: aber leider ist dadurch die Form der Türen und hinteren Seitenteile in die Binsen gegangen. Käfers Seitenscheiben, vor allem die in den Türen, liegen schon relativ höhlenartig vertieft zum umgebenden Blech – hier hat man bei Brekina zuviel des Guten getan und sie wie bei modernen Autos in dieselbe Ebene gelegt. Das wäre schon schlimm genug, aber auch die Form der Türen und Seitenteile unterhalb der Fenster stimmt nicht. Man vergleiche bitte:

Vergleich Brekina-Wiking
Links Brekinas 65-67er, rechts Wikings Brezelkäfer. Zum Vergrößern draufklicken

Beim Wiking-Modell zeigt sich im Streiflicht schön die zarte Wölbung der Tür in beiden Richtungen, vor allem aber die Sicke und die darunter herauskommende Wölbung unterhalb der (beim Wiking-Modell nicht vorhandenen) Zierleiste. Im Vergleich dazu wirkt die ganze Brekina-Tür flach wie eine Spindtür (auch wenn sie im Ganzen von oben nach unten leicht gewölbt ist). Und ja, das sieht man, wenn man's einmal gesehen hat, ziemlich deutlich. Mich jedenfalls stört's.

Ein weiterer Nachteil der zusammengespritzten Karosserie und Verglasung soll nicht unerwähnt bleiben: dadurch ist man auch farblich auf Gedeih und Verderb den Marktstrategen des Herstellers ausgeliefert; ein Umlackieren ist praktisch unmöglich, im Fensterbereich blitzt immer die ursprüngliche Farbe durch. Und einige dieser Farben sind leider brechreizerregend: von grasgrün über hornhautbeige bis knallblau reichte anfangs die Farbpalette, die mit den VW-Farben der 60er so gar nicht harmonieren will. Ein paar stimmige Farben gab's aber auch schon, weiß etwa, das abgebildete Lichtgrau, rubinrot oder dunkelblau; auf einige der typischsten Farben – seeblau oder smaragdgrün z.B. – warte ich aber bis heute. Fazit: Trotz der ausführlichen Kritik baut Brekina das mit deutlichem Abstand überzeugendste Käfermodell für die Epoche 3 – sehnsüchtig träume ich von einem Brezel-, Oval- oder 1957-bis-64er-Käfer aus gleichem Hause, dann aber bitte auch ohne die genannten Fehler, die sich ja ansich leicht vermeiden lassen – einfach bei Wiking abkucken reicht ja ;-)

Albedo/AMW/AWM

AWM 1302

Ebenfalls ein Newcomer, nicht nur in punkto Käfermodelle, ist dieser Hersteller. Man offeriert den 1302 als Limousine und Cabrio; der Einfachheit halber bespreche ich beide zusammen.

Der 1302: Wenn die Bezeichnung "Supermodell" auf irgendeinen der hier vorgestellten Käfer zutrifft, dann auf diesen. Und damit meine ich gar nicht mal so sehr die zu öffnende Motor- oder die einzeln eingesetzte Kofferraumhaube; an diesem Modell paßt wirklich fast alles. Die vordere Stoßstange liegt etwas zu tief, und wie so oft sind die Reifen auf den hervorragend gestalteten Felgen ein klein wenig zu breit. Auch die Lüftungsschlitze könnten etwas zierlicher sein. Aber egal: AWM liefert eindeutig das beste Käfermodell! Wunderschöne Felgen, detailliert bis hin zum Armaturenbrett, und als Gimmick die erwähnte Motorhaube zum Öffnen mit einem immerhin klar als solchem erkennbaren Motor.

AWM 1302

Der Preis ist entsprechend nicht eben günstig, das ist wahr; aber der Gegenwert ist in jeder Hinsicht überzeugend. Fazit: Ein Spitzenmodell zu einem durchaus fairen Preis hat AWM da abgeliefert; schade, daß das Vorbild eher eins der selteneren ist. 1302 waren zwar sehr beliebt, solange es sie gab; aber es gab sie eben nur zwei Jahre lang. Vielleicht variiert man daraus ja mal die 1300 und 1500 der Modelljahre 1968-72?

Herpa

Herpa ist ja eher für aktuelle Vorbilder zuständig, die man dann aber in erstklassiger Qualität ins Modell umsetzt. Die Ankündigung eines Käfers, eines alten zudem, war da schon eine freudige Überraschung...

Der 1961er: Sehr überrascht, aber nicht freudig, war ich dann aber auch von der Ausführung. Der zweifelhafte Titel "Schlechtestes Kunststoff-Käfermodell seit Wiking-Unverglast" gebührt diesem Machwerk unangefochten. Hier stimmt nichts: weder die Detaillierung noch die Proportionen. Das Ding ist vorn so verunglückt wie der Brezelkäfer von Praliné und erinnert ansonsten am ehesten an Spielzeugautos von Siku. Dafür war mir mein Geld zu schade, deswegen nur aus der Erinnerung das Fazit: Schon gekauft? Herzliches Beileid für den Fehlkauf. Am besten Räder tauschen und den Rest an irgendwelche Kinder verschenken, zum Kaputtspielen ist das genau das Richtige.

Schuco

Von Schuco gibt es mittlerweile drei H0-Käfer, allerdings sind zwei davon hier nur um der Vollständigkeit willen aufgelistet.

Das 1303 Cabrio: Schuco 1303 Cabrio Hoppla! Wer wie ich einen weiteren Schuco-Käfer (s.u.) erwartet hatte, als dieses Cabrio angekündigt wurde, sieht sich positiv überrascht: so schlecht ist der gar nicht. Klar sind die Gravuren nicht ganz so fein wie bei der Kunststoff-Konkurrenz, klar ist die Karosserie vom Material her arg dick, was man besonders an der Oberkante der Türen und Seitenteile des offenen Cabrios gut sieht; aber die Proportionen stimmen, die schwierige gewölbte Frontscheibe sitzt perfekt (Kunststück: sie ist samt Rahmen, Ausstellfenstern, Sonnenblenden (!) und dem Blech bis zur Kofferraumhaubenfuge aus Kunststoff gespritzt, sauber schablonenlackiert und bedruckt und eingesetzt!), die (für späte Baujahre typischen) ATS-Alufelgen sind sehr schön graviert, und die Bedruckung ist bis auf die Rückleuchten beeindruckend sauber und vollständig. Und das alles zu einem Preis, zu dem Brekina einem allenfalls ein völlig unbedrucktes "Economy-Modell" verkauft und Wiking höchstens höflich hustet. Fazit: Das Modell ist schon nicht schlecht, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis ist fantastisch. Als nächstes dann bitte eine ältere Limousine oder einen Mexicokäfer in dieser Qualität zu diesem Preis! ;-)

Das "Billigmodell": Schuco 1303 Cabrio Trotz seines günstigen Preises und seiner schönen Detaillierung ist dieses Druckgußmodell nicht ernsthaft zu gebrauchen. Das liegt hauptsächlich daran, daß man bei Schuco die silbernen Fenster-Zierrahmen auf den glasklaren Fenstereinsatz gedruckt hat, was deren viel zu tiefe Lage (wegen der dicken Druckgußkarosserie) und ungenaue Einpassung aufs Unvorteilhafteste betont. Ohne diesen Fehler wäre das Modell zu dem Preis sicher eine Empfehlung wert, erst recht angesichts der begeisternden Variantenvielfalt, auch wenn es noch ein paar Kleinigkeiten zu bemäkeln gibt. So sind die Fensterausschnitte mal wieder zu groß für einen Dickholmer, was das Modell erneut zu einem 1965er macht (gerade in Metall hätte ich kleinere Fenster erwartet, das wär doch sogar einfacher gewesen!), die angespritzten Außenspiegel-Geschwüre sind völlig indiskutabel und die Räder zu neu und im Durchmesser zu groß. Und die angespritzten Kennzeichen-Flächen passen vorn wie hinten in Format und Position eher zu einem US-Modell, dafür sind aber die falschen Stoßstangen ohne Export-Bügel montiert. Aber gegen den Verglasungs-Fauxpas sind das alles Kleinigkeiten, erst recht bei dem extrem günstigen Preis. Fazit: Wie kann sowas passieren, frag ich mich bei solch Fehlkonstruktionen immer. Neuverglasen? Vielleicht sollte ich meinen doch mal auseinanderbohren und ein wenig drüber sinnieren.

Das Schuco-piccolo-Sammlermodell: Schuco-piccolo ist eine Modellserie mit Tradition. Anders formuliert: Diese Qualität war schon vor Jahrzehnten indiskutabel. Massive Druckgußklötze mit nicht durchbrochenen, sondern zu allem Überfluß silbern (!) ausgelegten Fenstern und auch sonst mit Gravuren, die eher an Seifenschnitzerei erinnern ... Fazit: Als Ballastgewicht für gedeckte (!) Güterwagen durchaus geeignet, dafür aber klar zu teuer und sonst wirklich zu nix zu gebrauchen – außer vielleicht als Wurfgeschoß.

Bub

Noch so ein Traditionshersteller, der mit ausgebuddelten alten Formen endlich mal wieder Reibach machen will. Der Käfer ist nicht berauschend, besonders stört aber die fehlende Verglasung; abgesichts stolzer Preise kann man das Modell (und den Hersteller m.E. gleich mit) auch gleich wieder vergessen.

Was bleibt also?

Ein schaler Nachgeschmack hauptsächlich. 15 Modelle von sieben Herstellern, von denen gerade mal fünf von vier Herstellern (Wiking-1303, Brekina, AWM-1302 und -Cabrio und Schuco-1303 Cabrio) einigermaßen überzeugen können; kein einziges überzeugendes Modell eines Vorbilds vor 1965, nicht mal des typischsten aus der Zeit danach. Ein trauriges Ergebnis? Ich denke schon.

Aber kann man sich, so fragt jetzt vielleicht auch der Leser, kann man sich nicht überzeugendere Modelle frokeln? Man kann, denke ich. Hier meine Ideen:

Limousinen:

Cabriolets:

Natürlich ist das alles ein Riesenaufwand. Natürlich hab ich das selber noch nicht gemacht und schrecke auch ein bißchen davor zurück. Und natürlich baut niemand so einen Extremumbau zweimal, obwohl wie oben erwähnt jede Anlage zehn davon vertragen könnte. Deshalb schließe ich diesen Artikel mit einem Wunschzettel:

Was wirklich noch fehlt

Eigentlich fehlt außer den Vorbildern von Brekina und AWM sowie dem 1303 noch alles. Aber diese -zig Varianten mag wohl keiner ernsthaft fordern. Deswegen seien nur ganze drei Modelle angeregt:

Brezel- und Ovalfensterkäfer sahen auch von vorn deutlich anders aus als jüngere, die Form der Windschutzscheibe ist ganz anders. Ein Modell aus dieser Generation wäre also schon sehr wünschenswert. Allerdings würde ich da nicht das "Urmodell", also KdF-Wagen/Brezelkäfer bis '51, anraten, sondern den Ovali (und vielleicht davon abgeleitet eine '52er "Zwitterbrezel"), denn die waren sehr viel häufiger, und man hat bekanntlich ja auch gern ältere Käfer durch Herausschneiden des Brezelfenster-Mittelstegs optisch modernisiert damals.

Für die Epoche 3 brauchen wir am dringendsten einen Käfer aus der Zeit von 1957-64, mit richtig kleinen Seitenfenstern. Am besten wäre ein '63er, denn sowohl Kennzeichenbeleuchtungs-Nase als auch Rückleuchten sind schneller kleinergefeilt als größergespachtelt, und vordere Blinker gehen auch leichter ab als dran. Die großen Blinker von '64 wären aber Unfug; diese Kombination gab es schließlich nur ein Jahr lang.

Für die Epoche 4 fehlt der typische Neuzeitkäfer schlechthin, der mit kleinen Änderungen von 1968 bis 2003 gebaut wurde. Hier wäre wohl die Version von 1975-89, der sogenannte "Mexicokäfer", die geschickteste Wahl, allein schon um sich vom AWM-Modell abzuheben. Aber auch ein 1968-72er (aus dem Hause AWM?) wäre schon eine große Hilfe.

Fazit

Eine Doppelentwicklung ist auch in Zukunft einfach zu vermeiden, wenn mal wieder jemand ein Käfermodell in H0 auf den Markt bringen möchte. Das erscheint auch wünschenswert; zwei Modelle im Besonderen – '63er und Mexicokäfer – fehlen noch, damit man praktisch alle Käfertypen mit vertretbarem Aufwand bauen könnte. Wer wagt's? Wiking? Herpa? Busch? Roco? Schuco? Hallo? Jemand zuhause?


Modellbahnfrokler >> Kritik >> Käfer in H0   Kontakt Sitemap

Best viewed with any browser Valid HTML 4.0! 100% hand coded HTML

  Fragen an den Autor? Mail an Erik
Zuletzt bearbeitet am 14. August 2016   Technische Probleme? Mail an Webmaster