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Fleischmann Gllh 12

Aus der Reihe "Modellkritik"

Von Erik Meltzer <ermel@modellbahnfrokler.de>

Fleischmanns Leig-Einheit frisch aus der Schachtel
Bild 1: Frisch aus der Schachtel: Fleischmanns Leig-Einheit Gllh 12

Erster Eindruck

Vom Preisschock einigermaßen erholt (ich habe 89,-- DM bezahlt), ist eine flüchtige Beaugapfelung der Leig-Einheit durchaus angenehm: schön ist sie geworden, doch, wirklich. Basierend auf dem bekannt guten Verbandsbauart-Gl 11 war das aber auch zu erwarten. Also ab nach Hause, Carstens-Lesen und Bilder kucken.

Zum Vorbild

Eine Einführung in das Thema findet sich auf Thomas Noßkes Epoche II-Seiten unter Leichtgüterzüge für den Stückgut-Schnellverkehr, wo auch eine Zeichnung "unserer" Einheit zu bewundern ist. Im Carstens, Band 1, ist natürlich auch einiges über den Gllh 12 zu finden. Zitat:

1933 ließ die Deutsche Reichsbahn eine Anzahl Gl-Wagen für den Stückgut-Schnellverkehr kurzkuppeln und mit Faltenbalgübergängen versehen. Hierzu zählten auch etliche Wagen der Verbandsbauart, wobei die Wagen mit Handbremse zusätzlich ein Zugführerabteil und eine Toilette bekamen. Außerdem wurden die Wagen weicher abgefedert und erhielten 9-lagige 1800 mm lange Blatt-Tragfedern anstelle der ursprünglich vorhandenen 11-lagigen 1100 mm langen Federn. Die Wagen, die in der Regel in den vierziger Jahren Endfeldverstärkungen erhielten, unterschieden sich in der Ausführung und Anordnung der Fenster, so daß der Eindruck entstehen kann, sie wären nicht nach einheitlichen Zeichnungen umgebaut worden.

Soweit Stefan Carstens. Leider zeigt schon dieser Abschnitt erste Kritikpunkte am Modell; aber ich möchte nicht vorgreifen.

Das Modell

Maßhaltigkeit und Detaillierung

Alle Hauptabmessungen entsprechen denen von Carstens' Zeichnungen; was Wunder, das Modell ist ja auch viel neuer als diese. Die Detaillierung ist gut; alle Tritte und Griffstangen sind da, wo sie hingehören, und außer den üblichen angespritzten Griffstangen im Türbereich auch zierlich genug zum Dranlassen. Lediglich die Signalhalter sind arg verkümmert. Die Nieten und Knotenbleche sind sehr schön, die Bretterfugen recht schmal. Die Zettelhalter dürften etwas plastischer sein und die (funktionsfähigen) Schiebetüren etwas dünner, aber gut.

Das Fahrwerk gehört, wie bei Fleischmann üblich, zum Besten, was es derzeit in Großserie zu kaufen gibt: schmale Achshalterbleche, Bremsbacken in Radebene, in Seitenansicht überzeugende Bremszylinder angespritzt, viele feine Nieten, sehr gute Kurzkupplungskinematiken. Toll! Da mag man über die ebenfalls wie üblich zu großen Pufferteller und die fehlenden Rangierergriffe unter den Puffern schon gar nicht mehr meckern.

Leig- und Epochenspezifisches

Allerdings hat Fleischmann leider, wenn auch verständlicherweise, bei der Nachbildung der Leig-Einheit-spezifischen Merkmale wie auch beim Umbau des Epoche-2-Serienmodells in eine Epoche-3-Sonderserie ein wenig gespart. Diese Abweichungen möchte ich hier gesondert aufführen.

Wie wir schon oben bei Stefan Carstens gelesen haben, hatten Leig-Einheiten eine Toilette. Davon sieht man von außen nur das Fenster und das Fallrohr; beide fehlen beim Fleischmann-Modell. Außerdem entsprechen die Tragfedern nicht dem genannten Umbau, sondern denen des Gl 11. Schließlich haben Leig-Einheiten auch nur am in der Seitenansicht linken Wagen Anschriftenfeld und Zettelhalter; das Modell hat beides an beiden Wagen, beim rechten allerdings immerhin nicht schwarz bedruckt. Genaugenommen fehlt auch beim -- sonst recht schönen -- Faltenbalgübergang zwischen den Wagen der Faltenbalghalter am Bremserhauswagen.

Die weiteren Fehler sind typisch für Fleischmann-Modelle älterer Vorbilder in Epoche-3-Beschriftung: die Formänderungen sind nicht nachgebildet. Beim Gl 11 und damit auch bei der vorliegenden Leig-Einheit betrifft das zum einen die Anschriftenfelder, die in der Epoche 3 nicht mehr mit einer Leiste vom restlichen Wagenkasten abgesetzt waren (die Leiste ist also überflüssig, dafür fehlen die Bretterfugen); zum anderen, und das ist auffallender, fehlen die Endfeldverstrebungen, und leider sind auch die Anschriften nicht so angeordnet, daß man leicht welche nachrüsten könnte. Mindestens das verdient in meinen Augen ernsthafte Kritik; der Rest ist ja durch das Kostenargument zu begründen.

Farbgebung und Beschriftung

Hier entschädigt das Modell mit vollständigen, zierlichen und lesbaren Anschriften. Das Vorbild ist beheimatet in Nürnberg Rbf und wurde am 11.4.59 in "Fda" (Fulda?) gewogen. Auch der charakteristische Schriftzug "Stückgut-Schnellverkehr" auf weißem Grund mit schwarzer Umrandung ist sehr sauber und gut deckend gedruckt (bis auf ein paar kleine Patzer im Türbereich, bedingt durch die dortigen Griffstangen). Die Farbgebung ist ebenfalls stimmig; nur die silbernen Dächer könnten einen Neuanstrich in Grau vertragen.

Laufverhalten

Insbesondere angesichts der neuen (aber leider immer noch nicht bei allen Fleischmann-Wagen serienmäßigen) Radsätze mit niedrigerem Spurkranz (0,9 mm), leider aber immer noch etwas zu kleinem Innenmaß (14,2 statt 14,3 mm) war ich natürlich neugierig, wie das Ding fährt. Kurz: nachdem ich das Innenmaß auf RP25-kompatible 14,4 mm aufgedrückt habe, keinerlei Probleme. Was zu erwarten war. Auch was das Kuppelverhalten betrifft, ist alles okay – die montierte Profi-Kupplung mag nicht viel taugen, aber die Kinematiken sind bei Fleischmann ja traditionell hervorragend. Fast schade, daß ich sie für den Fremo-Einsatz festlegen mußte. Natürlich nur die äußeren, die Kupplung zwischen den beiden Wagen ist selbstverständlich unangetastet und funktioniert einwandfrei, auch auf engen Roco-Weichen.

Fazit und Preis-Leistungs-Verhältnis

Neunundachtzig Mark sind auch für zwei Güterwagen eine Menge Holz; die erwähnten Kompromisse rufen dabei doch ein leichtes Stirnrunzeln hervor. Dennoch: die sehr schöne Bedruckung, hervorragende Maßhaltigkeit und ansonsten gute Detaillierung ergeben mit dem interessanten Vorbild und der fleischmanntypisch tadellosen Verarbeitung trotzdem ein noch gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sinnvolle Verbesserungen

Die verbesserte Leig-Einheit
Bild 2: Nach den Umbauten sieht sie so aus. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Als erstes sei hier die Beseitigung der genannten Kompromisse angeraten:

Die verbesserte Leig-Einheit: Detail vom linken Wagen
Bild 3: Der linke Wagenkasten: Klofenster und Endfeldverstebungen. Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Weitere Verbesserungen sind praktisch nicht erforderlich. Man könnte allerdings noch ein paar Bauartänderungen nachbilden, etwa das Fenster über dem Bremserhaus, wie es der Wagen auf S. 99 oben im Carstens hat, oder eine elektrische Heizeinrichtung (aber dann müßte man ja schon wieder umbeschriften, nämlich in Glleh 12).

Was zu tun bleibt, sind Farbanpassungen:

Mein Wagen ist trotz der noch fehlenden Verfeinerungen bereits im Einsatzbestand; der Bau einer zweiten Gllh 12-Einheit, dann aus Gl 11-Einzelwagen und mit anderer Streben- und Fensteranordnung (in den Schiebetüren), aber ohne den schwierig zu realisierenden und in der Epoche 3 auch nicht mehr bei allen Wagen vorhanden gewesenen "Stückgut-Schnellverkehr"-Schriftzug, ist bereits ernsthaft angedacht. Mehr darüber demnächst hier...

Die verbesserte Leig-Einheit: Detail vom rechten Wagen
Bild 4: Der rechte Wagenkasten: Endfeldverstebungen und entferntes Kreideanschriftsfeld. Zum Vergrößern aufs Bild klicken


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Zuletzt bearbeitet am 18. Dezember 2003   Technische Probleme? Mail an Webmaster