Modellbahnfrokler >> Kritik >> G 10 mit 4 Lüftern   Kontakt Sitemap
www.modellbahnfrokler.de

G 10 mit vier Lade-/Lüftungsöffnungen von Fleischmann

Aus der Reihe "Modellkritik"

Von Erik Meltzer <ermel@modellbahnfrokler.de>

Vorwort

Über das Drama mit den G 10-Modellen hatten wir es hier ja schon öfter. Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt: Brawas feine Modelle sind mittlerweile öfter mal wieder in bezahlbaren Preisregionen zu finden, mein Umbauprogramm auf Märklin-Basis nimmt langsam Fahrt auf, und dann kommt auf einmal Fleischmann und kündigt einen "komplett überarbeiteten" G 10 an, zunächst die seltene, aber interessante Version mit je vier Lade- und Lüftungsöffnungen.

Nun mag man mich ja naiv nennen, aber unter "komplett überarbeitet" würde ich mir sowas vorstellen wie die einigermaßen konsequente Behebung aller oder doch zumindest der meisten Fehler, die so ein Modell hat. Und die auch der Fleischmann-G 10 bekanntermaßen hat. Entsprechend meine im Blog festgehaltene Enttäuschung bei der ersten Beaugapfelung des Modells.

Nun ist er mir aber doch noch zugelaufen, gebraucht natürlich, zum etwa halben Neupreis. Zeit für eine etwas ausführlichere Würdigung dessen, was sie bei Fleischmann "komplett überarbeitet" nennen.

Wagenkasten

G 10 mit vier Lüftern von GFN
Bild 1: Seitenansicht des "überarbeiteten" G 10 von Fleischmann
Zum Vergrößern draufklicken

Auf den ersten Blick fallen natürlich die ungewohnt zahlreichen Lade- und Lüftungsöffnungen ins Auge. Die sind in derselben Machart graviert wie schon bei Fleischmanns altem G 10: ein wenig flach vielleicht, vermutlich um nicht mit der nach wie vor beweglichen Schiebetür zu kollidieren. Das kriegt die Konkurrenz -- unter Verzicht auf die Spielfunktion freilich -- eleganter hin, aber egal, die Gravuren gehen trotzdem in Ordnung.

Offene Schiebetür am Fleischmann-G 10 Die Schiebetüren selber sind da schon unerfreulicher. Unverändert vom alten Modell übernommen, sind sie nach wie vor arg dick, außerdem aber leider auch noch zu niedrig: beim Vorbild ist die Tür nach unten hin rund ein halbes Brett länger, und auch die bei offener Tür sichtbar werdende "Türschwelle" gab es beim Vorbild nicht.

Bild 2 zeigt die offene Schiebetür im Detail. Zum Vergrößern draufklicken (gilt auch für die folgenden Detailbilder).

Bremserhäuser bei Fleischmann- und Roco-G 10 Ebenfalls sehr auffallend: das neue Bremserhaus und die vielen freistehenden Griffe drumherum, auf Bild 3 am rechten (Fleischmann-)Wagen leider etwas unscharf. Der linke ist ein vergleichsweise danebengestellter Roco-G 10. Trotz der verschiedenen Bremserhaus- und Signalhalterformen (und der lustigerweise beim Fleischmann-Wagen verkehrt herum eingesteckten Aufstiegsgriffe am Wagenkasten) erkennt man die Verwandschaft: Die Steckteile stammen m.E. eindeutig vom Roco-Modell. (Was ja nicht schlimm ist und auch eindeutig nicht als Kritik gemeint!) Ein besseres Bild mit einem Roco-Modell älteren Vorbilds, das dann auch die wirklich gleichen Teile zeigt, wird nachgereicht. Sobald ich mal eins finde.

Fazit

"Hä, wieso Fazit? Der Bericht hat doch gerade erst angefangen?!"

Stimmt. Der Bericht ist noch nicht komplett. Aber an dieser Stelle ist er genauso komplett wie Fleischmanns "komplette Überarbeitung" des G 10. Denn alles andere ist leider wohlbekannt vom gut abgehangenen Alt-Modell.

G 10 mit vier Lüftern von GFN
Bild 4: Der "überarbeitete" G 10 von Fleischmann von schräg oben
Zum Vergrößern draufklicken

Dazu gehört auch der zu breite Wagenkasten. Das ist zwar eigenlich zu erwarten gewesen, trotzdem finde ich es enttäuschend. Es ist ja nicht so, daß es im Rahmen von Modellüberarbeitungen nicht auch schon Beispiele für korrigierte Hauptmaße gegeben hätte -- mir fallen spontan die Einheits-Abteilwagen von Trix und die V 80 von Lima ein, die seitens ihrer Hersteller bei Überarbeitungen verschmälert bzw. erniedrigt wurden und danach ihre Vorbilder auch jeweils ganz gut trafen. Mit diesem G 10 schleppt Fleischmann ein Relikt ihrer 1:85-Ära aus den frühen 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, komplett mit sinnlosen Dachnähten und gut sichtbarem Anguß in Dachmitte, weiter mit in eine Zeit, von der man damals noch dachte, daß wir sie in fliegenden DeLoreans verbringen würden ;-)

Okay, zugegeben, soo brutal fällt das mit der Breite nicht ins Auge, wie das folgende Bild 5 zeigt. Zu sehen sind von links nach rechts: ein G 10 von Röwa, einer von Roco, der "komplett überarbeitete" von Fleischmann und der G 02 preußischer Bauart, ebenfalls von Fleischmann. Man kann schon sehen, daß der besprochene Wagen etwas klobiger ausfällt als die anderen, aber unbedingt stören muß einen das nicht. Jedenfalls weniger als die ebenfalls erkennbare zu große Höhe des Roco-Wagenkastens.

G 10 von Röwa, Roco, Fleischmann und G 02 von Fleischmann
Bild 5: Stirnseiten: Röwa-G 10, Roco-G 10, Fleischmann-G 10, Fleischmann-G 02
Zum Vergrößern draufklicken

Der Vergleich mit dem Röwa-Modell ganz links zeigt gleich einen weiteren Kritikpunkt: Wenn man schon am Nicht-Handbrems-Ende Signalhalter anbringt und Tritte über den Puffern (letztere bei Fleischmann nach wie vor zu hoch übrigens), dann sollte man auch Griffe an die Stirnseite bauen, damit der Rangierer dann auch den Signalhalter ohne unfallträchtigen Balance-Akt erreichen kann. (Der Roco-Wagen im Bild ist da entschuldigt, da ein Epoche-1-Modell; damals hatten sie diese Griffe m.W. noch nicht.)

Der Rest der Kritikpunkte ist schnell abgehakt: zu große Pufferteller, eine alte Fleischmann-Krankheit, und der nach wie vor zu hoch auf dem Rahmen sitzende Wagenkasten. Was man dagegen tun kann, habe ich schon mal im G 10-Übersichtsartikel beschrieben; ich hab mir aber vorgenommen, es beim nächsten umzufrokelnen Wagen auch mal im Bild zu zeigen.

Fazit (jetzt aber wirklich)

Mhm. Nee, so richtig vom Hocker haut mich Fleischmanns "komplett überarbeiteter" G 10 nicht wirklich. Die Steckteile für Griffe und Signalhalter sind eine gelungene Verbesserung, und die Formvariante mit den vier Lade- und Lüftungsöffnungen je Seite finde ich toll, aber sonst ist da noch viel zu viel vom guten alten 80er-Jahre-Modell drin. Das hat auch seine guten Seiten, die Bretterfugen zum Beispiel, aber für den vorher gemachten Hype -- und auch für den geforderten Preis -- ist das trotzdem eine schwache Leistung.

Wer die seltene Vorbildvariante auch im Modell haben will und die Fehler ignorieren oder beheben kann, der kann sich ruhig bedienen. Hab ich ja auch gemacht. Aber die nun folgenden "komplett überarbeiteten" Standard-G 10 mit normaler Anzahl von Lade- und Lüftungsöffnungen aus dem Hause Fleischmann kann man sich wirklich sparen, zumal sie ja preislich nicht mehr soo weit von Brawas Referenzmodell weg sind. Fleischmann gebe man das Geld lieber im Tausch für deren wirklich fein gemachten preußischen G 02, auch wenn der leider aus Fleischmanns Alles-Anspritzen-Epoche stammt und so auch noch etwas Arbeit macht; der G 10 bleibt leider, was er ist: ein akzeptables, aber dafür zu teures Uraltmodell.

Was ist mit dem Röwa-G 10?

Den kennt vermutlich nicht jeder. Und wo wir gerade von Uraltmodellen sprechen, hat es der Röwa-G 10 doch auch verdient, mal im Ganzen gezeigt zu werden. Also gut, Zugabe: Kurzkritik eines Sammlerstücks :-)

G 10 von Röwa
Bild 6: Der Röwa-G 10
Zum Vergrößern draufklicken

Auf den ersten Blick sieht man die für G 10 falschen Diagonalstreben beidseits der Schiebetür. Die, und auch die anderen Fehler des Modells -- ein paar mm zu geringe Länge und die falsch dargestellte "hängende" Schiebetür ohne Laufrollen an den unteren Ecken -- sind seiner Entstehung geschuldet: eigentlich handelt es sich nur um einen G 20 mit Flachdach. Für den ist das alles nämlich goldrichtig.

Offene Schiebetür am Röwa-G 10 Bevor jetzt einer die Nase rümpft: Vergleicht erstmal mit anderen G 10-Modellen aus den 1970er Jahren! Von den Proportionen kann da allenfalls das alte Roco-Einfachmodell mithalten. Aber auch nur von den Proportionen her. Denn die Gravuren und der Formenbau des Röwa-Modells sind auch heute noch beeindruckend! Bild 6 zeigt die geöffnete Schiebetür. Sie ist so dünn, daß sie im geschlossenen Zustand nicht als zu öffnend auffällt, und sie kommt ohne einen Haken ins Wageninnere aus, wodurch man sie tatsächlich bis zum Türstopper hin öffnen kann. Das hat m.W. außer Röwa -- bei G 20, V 23 und G 10, aber auch bei Gmmhs 56, Gms und Pwghs 54 -- kein anderer Großserienhersteller fertiggebracht! Klar hakeln diese Türen, und manchmal biegen sie sich im geschlossenen Zustand auch nach innen, aber pfeif drauf! Wenn schon zu öffnende Türen, dann bitte genau so und nicht anders.

Schiebetürgriffe am Röwa-G 10 Und als wäre das nicht schon geil genug, sind auch noch die Schiebetürgriffe freistehend angespritzt. Und hinter der offenen Schiebetür hat der Röwa-Wagen auch einen Wagenboden auf der richtigen Höhe, ohne die störende Türschwelle wie oben bei Fleischmann oder -- noch ausgeprägter -- bei Märklin.

Freilich zeigt dieses Bild 7 aber auch, daß die freistehend angespritzten Wagenteile sehr empfindlich sind -- fast ist es ein Wunder, daß bei meinem Röwa-G 10 alle Griffe und Signalhalter noch da sind.

Schiebetürgriffe am Röwa-G 10

Die Eckgriffe, Signalhalter und Rangierergriffe unter den Puffern haben natürlich auch noch ein eigenes Bild 8 verdient. Röwa war meines Wissens der erste Hersteller, der sowas freistehend dargestellt hat -- zumindest im Westen, denn Piko (bei den Signalhaltern und Eckgriffen) und Schicht (bei den Rangierergriffen am Kesselwagen) sind damit noch ein bißchen früher rausgekommen. Danach hat sich das jahrzehntelang keiner mehr getraut, bis Brawa beim G 10 anfing, schlicht alles -- bis hin zu den Türverschlüssen -- als einzeln eingesetztes Teil zu realisieren.

Fazit zum Röwa-G 10

Niemand braucht einen Flachdach-G 20. Und die feinen, bruchemfindlich angespritzten Details sind definitiv nicht fremo-kompatibel. Diese beiden Umstände werden es meinem Röwa-G 10 ersparen, zu einem Fremo-H0RE-Einsatzwagen umgefrokelt zu werden. Aber deswegen habe ich ihn nicht weniger lieb, zeigt er doch, was schon kurz nach meiner Geburt möglich war, wenn der Konstrukteur wollte, konnte -- und durfte. Und die anderen Röwa-G-Wagen aus dieser Zeit, oben schon aufgezählt, sind auch heute noch jeden Umfrokelaufwand wert -- neue oder wenigstens verschmälerte Fahrgestelle brauchen sie allerdings, um heute noch mithalten zu können.

Die Neubau-Wagen hat ja Roco noch jahrzehntelang weitergebaut, bis sie leider neue Wagenkästen ohne bewegliche Teile dafür gemacht haben, aber G 20 und V 23 sind unglücklicherweise ziemliche Raritäten. Leicht überarbeitet gab es sie noch eine Zeitlang bei Trix, bevor die von Märklin geschluckt wurden. Auch die Trix-Modelle sind aber wegen ihrer Fahrgestelle nur Frokelmaterial -- aber egal, was Besseres als diese Wagenkästen gibt es trotz zahlreicher Versuche der Mitbewerber bis heute nicht!

G 10 von Röwa von schräg oben
Bild 9: Der Röwa-G 10 von schräg oben
Zum Vergrößern draufklicken


Modellbahnfrokler >> Kritik >> G 10 mit 4 Lüftern   Kontakt Sitemap

Best viewed with any browser Valid HTML 4.0! 100% hand coded HTML

  Fragen an den Autor? Mail an Erik
Zuletzt bearbeitet am 8. Mai 2014   Technische Probleme? Mail an Webmaster