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Wehrmachts-Dreitonner von Herpa und Busch

Aus der Reihe "Modellkritik"

Von Erik Meltzer <ermel@modellbahnfrokler.de>

Die vier Dreitonner friedlich vereint
Bild 1: Mercedes L 3000 S, Opel Blitz 36-3,6 S, Ford "Barrel Nose" und Magirus S 330. Feldgrau, aber trotzdem niedlich, oder?
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Vorwort

Bisher lief der niedliche kleine Mercedes-Dreitonner hier unter "Modelle, die die Welt nicht kennt": ein ukrainisches (?) Modell halt, Hersteller (mir) unbekannt, importiert von adp-Modelle, auch nicht gerade ein großer Name der Branche.

Mittlerweile habe ich ihn wiederentdeckt: im Militärprogramm von Herpa, das unter dem neuen, sehr phantasievollen Namen "Military" mittlerweile keine Roco-Minitanks-Modelle mehr enthält, aber dafür viele andere schöne Sachen. Und nicht nur das: im Herpa-Programm, aber auch unter dem Label Busch Military finden sich noch weitere Vorbilder als Modelle gleicher Machart. Vorstellen möchte ich hier noch den Opel Blitz, den Ford "Barrel Nose" und den Magirus S 330, jeweils mit verschiedenen Aufbauten.

Vorbilder

Mercedes L 3000

Als ich das zivil gestaltete adp-Modell gekauft hatte, war es mir nicht gelungen, ein Vorbild dazu aufzutreiben. Mittlerweile habe ich auch ein Vorbildfoto gefunden:

Mercedes L 3000 S
Bild 2: Mercedes L 3000 S in 1:1.
Zeitgenössisches Bild geklaut von Panzerserra Bunker.

Der Mercedes L 3000 war neben dem Opel Blitz der zweithäufigste Lastwagen seiner Gewichtsklasse. Gebaut wurde er allerdings nur kurz, von 1938 bis 1943. Den vorliegenden Bildern nach unterschieden sich die Baureihen L 3000 (bis 1940) und L 3000 S (ab 1940) auch im Kabinendesign; das Modell entspricht eher dem späteren Vorbild. Die Produktion endete aufgrund der Verordnungen zur Vereinheitlichung des Wehrmachts-Fuhrparks, die Mercedes zwangen, an seiner Statt eine Lizenz-Version des Opel herzustellen. Die hatte allerdings, im Gegensatz zu "echten" Opel Blitzen, ein hölzernes Fahrerhaus und natürlich auch keinen Opel-Blitz am Kühler.

Der L 3000 hatte bei 3 to Nutzlast ein zulässiges Gesamtgewicht von 6,5 to und erreichte mit 65 bis 75 PS starken 4,8-Liter-Vierzylinder-Dieselmotoren eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h.

Opel Blitz

Mercedes L 3000 S
Bild 3: Opel Blitz 36/3,6 S in 1:1.
Zeitgenössisches Bild geklaut von Carsfotodb.com.

Trotz seiner relativ modern anmutenden Form ist der Opel Blitz der älteste Laster in dieser Runde: schon 1930 wurde er vorgestellt, allerdings anfangs noch mit senkrechtem Kühler. Vom umfangreichen Modellprogramm, das von Ein- bis Dreitonnern reichte, ist der letztgenannte der stückzahlmäßig bedeutendste, da er in großen Mengen für die Reichswehr gebaut (und auch von ihr requiriert) wurde. Das Modell gibt den Typ 36/3,6 S wieder: 3,6 Liter Hubraum, 3,6 Meter Radstand und Standardantrieb. Mit Stahlfahrerhaus wurde das Vorbild bis 1943 gebaut; nach Zerstörung des Opelwerks Brandenburg baute Mercedes eine veränderte Version in Lizenz weiter (s.o.). 1949 endete die Produktion dort, zuletzt auch wieder mit Stahlfahrerhaus.

Der Blitz 36 hatte bei 3 to Nutzlast ein zulässiges Gesamtgewicht von 5,8 to und hatte einen 73 PS starken Sechszylinder-Benzinmotor.

Ford "Barrel Nose"

Ford G917T 'Barrel Nose'
Bild 4: Ford G917T in 1:1.
Quelle: Bundesarchiv, Bild 101I-179-1575-17 / Wetzel / CC-BY-SA. Gefunden in der Wikipedia.
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Daß das Bild den Laster bei der Deportation von griechischen Juden zeigt, spielt zwar für diesen Artikel keine Rolle, und auch der Ford kann ja nix dafür; es gänzlich unerwähnt zu lassen, fand ich aber auch wieder nicht richtig.

Der "Barrel Nose" war ein echter Welt-Lastwagen: er lief nahezu identisch in den USA, Großbritannien, Frankreich, Lettland und Deutschland vom Band. Allerdings zumindest hierzulande nicht besonders lange: erst ab 1939 und, da die USA nach Deutschlands Kriegserklärung die Lieferung nötiger Teile einstellten, nur bis 1941/42. Nachfolger wurden in Deutschland die Typen B 3000 und V 3000, optisch bis auf die Kühlermaske nahezu baugleiche Laster; diese wurden nach dem Krieg als Ford Ruhr und Rhein noch bis 1948 weitergebaut.

Bei m.W. identischer Optik gab es vom "Barrel Nose" in Deutschland die Typen G987T mit 3,2-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor und 52 PS, G917T mit 3,6-Liter-V8-Benzinmotor und 75 bis 90 PS und G997T mit 3,9-Liter-V8-Benzinmotor mit 95 PS.

Magirus S 330

Magirus-Deutz S 3000
Bild 5: Magirus-Deutz S 3000, Nachkriegsversion mit Wasserkühlung, in 1:1.
Zeitgenössisches Bild mit interessantem Müllwagen-Aufbau geklaut von Truckerlinks.dk.

Klöckner-Deutz A 3000
Zum Vergleich Bild 6: Klöckner-Deutz A 3000, also das militärische Allradmodell, in 1:1.
Zeitgenössisches Bild ebenfalls geklaut von Truckerlinks.dk.
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Der Lastwagen- und Feuerwehrgerätehersteller Magirus aus Ulm war 1936 mit dem Motorenhersteller Humboldt-Deutz aus Köln-Deutz (ach was) fusioniert und konnte seither dessen Dieselmotoren in den eigenen Lastwagen anbieten. Der Dreitonner S 330 (bzw. mit Allradantrieb A 330) wurde 1939 vorgestellt; bereits ab 1940 wurde er allerdings nicht mehr als Magirus, sondern als Klöckner-Deutz S 330 bezeichnet und trug auch nicht mehr das bekannte Logo in Form des Ulmer Münsters im Grill, sondern ein rundes Logo mit Klöckner-Deutz-Schriftzug. Ab 1941 hieß der Laster dann S 3000 (bzw. A 3000); nach Kriegsende wurde er ab 1946 wieder hergestellt, ab ca. 1948 mit einem neuen, bereits im Krieg entwickelten luftgekühlten Dieselmotor und nun unter dem Namen Magirus-Deutz mit dem alten Logo. 1949 erfolgte die Auflastung zum auch optisch leicht modernisierten S 3500. Nach Vorstellung des gleichnamigen Rundhauber-Nachfolgemodells 1951 dürfte die Produktion bald geendet haben; als Chassis von Magirus-Feuerwehrwagen diente der alte S 3500 aber noch einige Jahre.

Der ursprüngliche, wassergekühlte Magirus S 330 hatte einen Vierzylinder-Dieselmotor mit 80 PS.

Modelle

Mercedes L 3000 S Pritsche/Plane von Herpa Military

Mercedes L 3000 S Mercedes L 3000 S
Bilder 7 und 8: Mercedes L 3000 S mit abnehmbarer Plane
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DIESEL Die kleinen Lastwagen sind komplett aus Kunststoff-Spitzguß hergestellt. Die feldgraue Lackierung ist nicht ganz sauber und, wie sich das für ein Militärfahrzeug gehört, vorbildentsprechend stumpfmatt; so wirken die Modelle auf den ersten Blick natürlich nicht besonders attraktiv. Wenn man aber genauer hinsieht, entdeckt man besonders am Mercedes Gravuren, die die Großen der Branche bislang meines Wissens so nicht oder zumindest nur selten hingekriegt haben: Andeutung des mittleren Motorhauben-Scharnierbandes! Bordwand-Innenseiten mit Bretterfugen! Nach unten zum Scharnier hin dicker werdende Bordwandrungen! (Fast) freistehende Bordwand-Verriegelungshebel! Toll. Das eingesetzte Lenkrad versteht sich da fast von selbst (auch wenn andere Hersteller da anderer Meinung sind, leider). Und dann natürlich dieser wunderschöne "DIESEL"-Schriftzug (Bild 9), den er stolz im Stern trägt und der an Filmbilder aus Indiana-Jones-Streifen erinnert – in der Realität habe ich solch alte Laster leider nicht mehr erlebt. Ein paar Tropfen grauschwarzer "Dreckbrühe" werden Stern wie Schriftzug zu gegebener Zeit noch etwas deutlicher aus dem fein gravierten Kühlergrill-Gitter herausheben.

Opel Blitz 36/3,6 S Gitterpritsche von Herpa Military

Opel Blitz 36/3,6 S Opel Blitz 36/3,6 S
Bilder 10 und 11: Opel Blitz 3,6/36 S mit Gitterwandpritsche
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Aber auch der Opel, bei meinem Modell mit einer höheren Pritsche mit Gitteraufsätzen und nur hinten klappbarer Bordwand versehen, überzeugt mit feinen Gravuren und gelungenen Proportionen. Übrigens handelt es sich um ein anderes Vorbild als beim uralten, aber deswegen nicht schlechten Roco-Modell: wie dessen höhere Schnauze auf den ersten Blick zeigt, ist es ein Modell des Allrad-Dreitonners, während das jüngere Modell die hinterradgetriebene Straßenversion nachbildet. Die Roco-Allradhaube ist allerdings nicht nur höher, sondern auch schmaler; vermutlich paßt die des neueren Modells besser zum Vorbild, gut wirken tun aber trotzdem beide. Die Gitterpritsche meines Modells gefällt mir auch ausgesprochen gut, sie ist wie geschaffen zum Stapeln von Gemüsekisten oder Ölfässern ... mal sehen, was mir dazu so einfällt.

Ford G 917 T "Barrel Nose" Flugfeldtankwagen von Herpa Military

Ford G 917 T Ford G 917 T
Bilder 12 und 13: Ford G 917 T "Barrel Nose" Flugfeldtankwagen
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Ford-Logo und -Kühlerfigur Ford und Magirus machen mich nicht ganz so wunschlos glücklich. Beide sind nämlich, wie oben schon anklang, nach relativ seltenen Vorbildern modelliert. Besser wäre da im Falle des Ford der B/V 3000 bzw. Ruhr/Rhein mit dem zwar nicht so schönen, aber viel häufigeren kleinen Grill gewesen -- der Aufkleber auf der Verpackung bezeichnet das Modell ja auch als V 3000, aber nach meinen Googlationen ist das falsch. (Siehe dazu aber auch unten unter "Bezugsquellen"!) Davon abgesehen aber ist auch diese Kabine mindestens genauso fein gestaltet wie die anderen; besonders die freistehend angespritzte Kühlerfigur des Ford ist eine Augenweide. Beachtlich auch das vorn an den Motorhaubenseiten gravierte, lesbare Ford-Logo! (Bild 14)

Als kleine Abwechslung zwischen all den Pritschenwagen habe ich den Ford in der Version als Flugfeld-Tankwagen beschafft. Auch hier ein kleiner Stirnrunzler angesichts der angespritzten Aufstiegsleiter an der rechten Tankseite; ein Ätzteil oder wenigstens eine eingesetzte Kunststoffleiter hätten das Modell sicher noch etwas verteuert, aber auch für einen absoluten Hinkucker gesorgt. Naja -- es muß ja auch noch was zum Frokeln bleiben, denn sonst ist auch dieser Aufbau erste Sahne und kein Vergleich zum Wiking-Modell gleichen Vorbilds aus den späten 70er Jahren.

Ford G 917 T Ford G 917 T
Bilder 15 und 16: Ford G 917 T "Barrel Nose" Flugfeldtankwagen
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Magirus S 330 Pritsche mit Faßladung von Busch Military

Magirus S 330 Magirus S 330
Bilder 17 und 18: Magirus S 330 Pritschenwagen mit Gitterwandaufsatz
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Magirus-Kühlergrill Am Magirus hätte man sich mit Blick auf die Vorbildstückzahlen eher das Klöckner-Deutz-Logo statt des Magirus-M gewünscht, was aber die Wehrmachts-Modellbauer wohl mehr stören wird als mich Epoche-3a-Zivilisten (s.u.). Kurioserweise gibt es den KHD-Grill aber bei Herpa auch -- an einem roten Feuerwehrwagen! Das verstehe, wer will ... Den Vorbildfotos nach ist die Kabine vielleicht ein kleines bißchen zu hoch geraten; wenn, dann jedenfalls meiner Meinung nach nicht störend. Die Gravuren sind auch hier wieder perfekt -- kuckt mal, Brekina, so geht ein Magirus-Kühlergrill mit Ulmer Münster! (Bild 19) Auch hier gibt es wieder eine Pritsche mit Gitteraufsatz, im Gegensatz zu der des Opel allerdings mit abnehmbaren Aufsatz und drei herunterklappbaren Bordwänden (natürlich nur beim Vorbild). Als Zugabe gibt es noch einen tiefgezogenen Ladungseinsatz, der einige Fässer unter einer Plane überzeugend darstellt und sich aber auch rückstandsfrei entfernen läßt -- und, wie Bild 21 zeigt, auch in den Mercedes paßt.

Magirus S 330 Mercedes L 3000 S
Bilder 20 und 21: Nach dem Umladen: die Faßladung unter Plane des Magirus paßt auch auf die Pritsche des Mercedes
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Allgemein zu den Modellen

Auch nicht schlechter als Kabinen und Aufbauten: die Fahrwerke. Hier zeigen die Modelle so nette Features wie eine eingesetzte Kardanwelle zum Hinterachsdifferential, je nach Vorbild sehr filigran angespritzte Trittbretter und vordere Stoßstange, freistehend angespritzte Blattfederpakete, angesetzte Auspuffanlage und (außer bem Mercedes: Tarn-)Scheinwerfer und, vor allem, die besten Lastwagenräder, die ich je gesehen habe: konturenscharfe, beim Ford sogar vorbildentsprechend andere Felgen, sauber profilierte Reifenflanken und Laufflächen. Ich bin beeindruckt!

Und auch wenn es sich um nahezu maßgleiche und sehr ähnliche Vorbilder handelt, hat der Hersteller der Versuchung widerstanden, ein Einheitschassis zu bauen. Alle Teile mit Ausnahme der Räder sind bei allen vier Vorbildherstellern verschieden, teils sehr subtil wie die Kardanwellen und Differentiale, teils auffallender wie Vorderachsen und Auspuffanlagen. Respekt, da machen es sich die meisten Hersteller einfacher.

Wer übrigens wie ich die Kraftstofftanks vermißt, dem sei gesagt, daß die Vorbilder sie unter der Sitzbank trugen, beim Ford auch erkennbar am herausragenden Einfüllstutzen. Nunja -- besser geschützt als außen am Rahmen sind sie ja, aber mir wäre schon unwohl beim Gedanken an ein paar Dutzend Liter Diesel oder gar Benzin unter meinem Allerwertesten, erst recht wenn wie zur Bauzeit dieser Laster der Gedanke nicht ganz abwegig ist, jemand könnte auf mich schießen ...

Doch zurück zu den Modellen: Einziger kleiner Wermutstropfen an den Chassis ist für mich die ein wenig verkümmerte Anhängerkupplung, die man zudem nur mit Skalpell und Bohrer entfernen kann, um sie, wie ich es vorhabe, zwecks Hängerbetrieb durch eine (sicherlich etwas überdimensionierte) von Brekina zu ersetzen. Lackiert ist der Fahrwerksbereich nicht, sondern aus schwarz eingefärbtem Kunststoff gespritzt; die Kotflügel und beim Magirus auch die angeklebte vordere Stoßstange sind wieder feldgrau. Daß der Opel keine hinteren Kotflügel hat, ist als kriegsbedingte Sparmaßnahme vorbildgerecht; Rückleuchten und ein hinteres Kennzeichen sollte man ihm aber noch spendieren.

Was mich nahtlos zu den Zurüstteilen führt: bei Herpa liegt den Modellen je ein Spritzling mit solchen bei, und zwar auch hier jeweils verschiedene. Beim Mercedes gibt's rechteckige Spiegel, zwei Satz Wischer (?), einen Zusatzscheinwerfer und zwei Abschlepphaken dazu, nicht aber die in Bild 2 sehr prominenten Peilstangen oder Winker. Beim Opel liegen Abschlepphaken, Peilstangen, Wischer, Zusatzscheinwerfer und als Zugabe Schaufel und Spitzhacke bei, aber weder Spiegel noch Winker. Zum Ford schließlich gibt es runde Spiegel, Peilstangen, Winker und ein Anhängerdreieck, aber keine Wischer -- was aber auch Sinn macht, denn am Ford sind sie angespritzt. Busch verzichtet beim Magirus auf beiliegende Zurüstteile, hat aber auf dem linken Vorderkotflügel eine sogar zweifarbige Schaufel montiert. Auch hier bietet sich also dem Frokler ein wenig entspannter Handlungsbedarf.

Bezugsquellen

Wie eingangs erwähnt, sind die Modelle keine Eigenproduktionen der Hersteller, deren Logo auf den Schachteln steht. Ich habe angesichts der vielen Auslaufmodelle auf Herpas Website auch das Gefühl, daß es sich nicht um Serienprodukte im eigentlichen Sinn handelt, sondern eher um Einmalauflagen. Eigentlich sollen es ja, wie man hört, auch Bausätze sein; wo man die herkriegt, ist mir aber noch rätselhaft. Wenn einer der Leser da mehr zu weiß, dann erhelle er mich bitte!

Die vorgestellten Modelle im Einzelnen sind:

ADP-Modelle, von denen ja mein ziviler Mercedes L 3000 S stammt, gibt es allerdings zu kaufen, und zwar bei Martin Fredrich Modelle. Hier finden sich zwar nicht genau die vorgestellten Modelle, aber dafür eine Vielzahl anderer, unter anderem auch genau die "deutsche Version" des Ford, deren Fehlen ich oben noch beklagt habe! Auch die Eintonner- und Anderthalbtonner-Varianten des Opel verdienen einen Blick, und bitte die Bausatz-Seite nicht übersehen! Hier gibt es auch die Räder einzeln, was hier demnächst so manchem Wiking- oder Brekina-Modell zu hübscheren Füßen verhelfen wird.

ADPs eigene Website ist hier hingegen nur der Vollständigkeit wegen aufgelistet, hilfreich war sie zumindest zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels ganz und gar nicht.

Zivile Nachnutzung ;-)

Nun sind Lastwagen der Deutschen Wehrmacht sicherlich ein nicht ganz problemloses Nischenthema. Viele der zahlreich angebotenen Varianten, etwa die auf der Pritsche aufgebaute Feldküche, sind aus dieser Nische auch schwerlich zu befreien; die Pritschenaufbauten, aber auch den Flugfeldtanker, kann man aber zumindest in der Epoche 3 ohne weiteres, gern mit einer etwas farbenfroheren Lackierung, der zivilen Nutzung zuführen. Einzelne Exemplare mögen auch noch die Epoche 4 in Lohn und Brot erlebt haben; heute fährt schließlich auch manch Schrott- oder Brennstoffhändler mit einem LKW herum, der ein Oldtimer sein könnte, wenn er nicht so fertig wäre.

Meine vier Wehrmachts-Dreitonner jedenfalls werden, das Feldgrau als Grundierung begreifend, freundlicher gefärbt in der Epoche 3a herumtuckern und dort zwischen astmathischen Dreiradlieferwagen und vollgummibereiften Pferdegespannen gar nicht so unmodern wirken, wie man vermuten könnte, wenn man sie neben einen Rundhauber-Magirus oder Unterflur-Büssing stellt ...

Als Vorgeschmack hier nochmal ein Bild des zivilen Mercedes L 3000 S aus dem adp-Programm, entliehen aus der alten Modellkritik von 2009 (die aus historischen Gründen auch weiterhin hier herumliegt):

adp Mercedes L 3000 von schräg vorn
Bild 22: Mercedes L 3000 S in ziviler Farbgebung.
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Fazit

Großartige Modelle unscheinbarer kleiner Laster hat der unbekannte Hersteller da abgeliefert, Gratulation! Wenn man sowas sieht, merkt man erst, wie plump da manch Großserienprodukt geraten ist. (Nein, nicht alle! Rocos Mercedes L 4500, inzwischen im Minitanks-Sortiment, ist ähnlich gut gelungen. Aber über Brekina oder gar Wiking schweige ich jetzt mal lieber.) Angesichts der gebotenen Qualität ist der Preis (ca. 20 EUR) eher als günstig zu bewerten; preis-wert sind die Lasterchen allemal.

Vor allem aber sind so kleine Dreitonner in früheren Zeiten ein viel häufigerer Anblick gewesen als die von den Sammlern und damit der Modell-Industrie meist bevorzugten schweren Fernlastwagen, gerade in den Städten und an den Güterschuppen, dort also, wo sich der Modellbahner meist seine Vorbilder sucht. Zugegeben, bei Ford und Magirus hat man sich, was die typischen Vorbild-Laster angeht, ein wenig verhauen, aber sei's drum -- es gab ja trotzdem etliche der tonnennasigen Fords, und auch wenn der Magirus S 330 wohl nur der Prototyp zum gleichnamigen Klöckner-Deutz war, so lebte er ja in der Nachkriegszeit als Magirus-Deutz S 3000 wieder auf -- was sicherlich manch stolzen Drittbesitzer veranlaßt haben mag, auch seinen Klöckner-Deutz aus Kriegstagen mit einem Magirus-Logo zu "modernisieren". Paßt schon ;-)

Es gibt bei Herpa und Busch noch viele hier nicht gezeigte Varianten dieser feinen Modelle. Mit hölzernem Einheitsfahrerhaus (Opel und Ford) etwa (und ja: auch davon gibt es Nachkriegsbilder!), als "Maultier" mit Kettenlaufwerk anstelle der Hinterachse (außer Mercedes), mit weiteren Aufbauten und auch mal mit sandfarbener Lackierung. Und weitere Varianten sind selbstverständlich möglich, hoffentlich auch zu erwarten -- und natürlich immer gern gesehen. Zivile würden mich und sicher auch manch Leser sehr freuen, aber auch zum Beispiel ein Borgward-Dreitonner wäre hübsch. Für den Magirus böte sich vielleicht ein neuer Aufbau als Feuerwehr-Schlauchwagen an, auch das KHD-Löschfahrzeug (GLF bzw. LF 15) könnte ich mir gut vorstellen. Vielleicht sogar den Mercedes als Drehleiter? Hach ... ich träume schon wieder, ich merks schon. Egal -- erstmal wollen die Wehrmachtslaster zivilisiert werden!

Fast eine Straßenszene
Bild 23: Ein bißchen zu wehrmachtsgrau für Epoche 3a, aber man kann schon sehen, wie es mal werden soll
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Zuletzt bearbeitet am 17. September 2016   Technische Probleme? Mail an Webmaster