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Eckis Kleinstanlage

Aus der Reihe "Modellbahnfroklers Anlagen"

Planung, Gestaltung und Fotos: Michael Eckardt ecki@modellbahnfrokler.de

Wer eine Modellbahn sein Eigen nennen möchte, sieht sich leider häufig schon vor der Planung mit wenigstens einem von drei Grundproblemen konfrontiert:

Wenig Platz, wenig Zeit oder wenig Geld

Für den Fall, dass alle drei Probleme auf einmal in geballter Form auftauchen, gibt es aber immerhin auch drei Möglichkeiten, mit denen man sich ihnen auf verschiedenste Weise stellen kann.

Lösung 1: Sofort mit der Modellbahnerei aufhören und sich ein geeigneteres Hobby suchen!
Lösung 2: Schienen in die Vitrine verlegen, Fahrzeuge sammeln und sich im eigenen Schmerz sonnen, dass man ja schon gerne bauen würde, aber leider nicht den Platz dafür hat.
Lösung 3: Sich auf die Suche nach einem Kleinstanlagenkonzept zu machen, das möglichst viele vorbildgetreue Betriebsaufgaben in ebensolcher Szenerie, mit wenig Fläche, minimalem finanziellen Aufwand und kurzer Bauzeit stimmig miteinander vereint.
Lösung 1 ist für einen richtig vom Modellbahnvirus befallenen Menschen völlig indiskutabel. Hier trennt sich dann also die erste Spreu vom Weizen. Menschen, die diese Lösung favorisieren, sollten sich ein für sie besser geeignetes Hobby suchen. Vermissen werden wir sie jedenfalls nicht!
Lösung 2 ist zwar, was den Aufbewahrungsort für Fahrzeuge während einer Betriebsruhe der Anlage angeht, das Optimum. Ein Vitrinenbahner wird aber für seine Faulheit dadurch bestraft, weil er seine Schätzchen nie in ihrer richtigen, standesgemäßen Umgebung zu sehen bekommt. Als Dauerlösung wird dieser Ansatz sicher nicht befriedigen können. Zudem verdienen phantasielose Faulpelze kein Mitleid.
Lösung 3 ist bei der kurzen Betrachtung vielleicht nicht der einfachste, wohl aber mit Abstand sinnvollste Ansatz. So, nun ist genug gequatscht!

Das Thema

Erste Indizien für das Thema der Anlage sind in Lösung 3 bereits zu finden. Wo liegen beim Vorbild viele Gleise und Weichen auf wenig Fläche? Ein "normaler" Bahnhof scheidet aufgrund seiner oft erheblichen Längenausdehnung wohl aus. Der Betrieb einer Industriebahn war mein nächster Gedanke. Ein Industrieunternehmen, welches eine eigene Werkbahn betreibt, ist aber schon so gewaltig groß, dass man so etwas nicht auf geringem Platz realisieren kann. Der Anschluss einer kleineren Fabrik oder eines kleinen Industriebahnhofs im städtischen Randgebiet lässt sich mit wenigen Kompromissen aber doch auf wenig Platz realisieren. So lassen sich relativ viele Weichen im Verhältnis zur Fläche einbauen und vermitteln dem Betrachter eine hohe Gleisdichte mit geschäftigem Verkehr. Dabei reichen aufgrund der geringen Anlagenfläche bereits wenige Weichen aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Ebenso reichen auch wenige Fahrzeuge aus um geschäftiges Treiben vorzutäuschen, weil ja für diese auch nur wenige Gleise zur Verfügung stehen. Das wiederum kommt dem meist ziemlich strapazierten Portemonnaie zugute, zudem wird die Forderung nach geringem Bauaufwand strikt eingehalten.

Der Gleisplan


Bild 1: Der Gleisplan des Timesavers.

Viel ist es ja nicht gerade, was da auf so wenig Fläche verbaut werden kann. Fünf Weichen und rund eineinhalb Meter Gleis zum Rangieren sind aber immer noch besser als in bester Rummelplatzmanier im Kreis zu fahren und dabei der Raserei zu verfallen. An dieser Stelle werden jetzt einige Zeitgenossen meiner prinzipiellen Absage an den Kreisverkehr wegen laut aufschreien. Sollen sie doch lamentieren, was kümmert mich deren Leid? Schließlich muss es eben auch Disneylandfetischisten geben!

Im Gegensatz zu diesen brauche ich aber auch nur eine Fläche von 120cm x 25cm (0,3125qm), um richtige, vorbildorientierte Betriebsaufgaben durchspielen zu können. Auch wenn alles äußerlich ein wenig abstakt wirkt, hier haben wir es schon mit richtigen Betriebsaufgaben zu tun, die sich bisweilen auch recht knifflig gestalten. Ich muss zwar auf Zugfahrten im Streckendienst verzichten, vermissen tue ich diese aber nicht, weil das Rangiergeschäft meine volle Aufmerksamkeit beansprucht. Sonst landen die Wagen wohlmöglich noch auf dem falschen Gleis! Die Gleisnutzlängen sind sehr knapp bemessen. Von links nach rechts und von oben nach unten ergeben sich folgende Kapazitäten: Gleis 1, 3 Wagen; Gleis 2, 3 Wagen; Gleis 3, 2 Wagen; Gleis 4, 2 Wagen und Gleis 5, 2 Wagen. In der Umfahrung haben maximal 2 Wagen Platz. Eine Wagenlänge entspricht in etwa der Länge der Lok.


Bild 2: Überblick über die gesamte Anlage.

Das Gleismaterial

Das H0e - Gleismaterial entnahm ich dem Sortiment der Fa. Roco. Die für diese Anlage benötigten Gleise und Weichen waren noch aus einem früheren Projekt übrig geblieben. Aufgrund massiver Umbauten mit dem Ziel die Funktionssicherheit der Weichen zu verbessern, hätte mir ein Verkauf über Ebay garantiert nur Verluste beschert. Also kam diese Anlage als Resteverwertungsobjekt zustande. Schließlich ist der Bau und Betrieb einer Anlage immer noch besser als ein Verkauf des Materials weit unter Wert. Die Weichen haben im Urzustand leider einige technische Gebrechen. Zu denen ist die Lagerung der Gelenkzungen zu zählen. Ferner sind offene Verschraubungen für die Antriebe, wie auch die Antriebe ohne Umschaltkontakte absolut suboptimal. Zudem ist das Gussherzstück weder optisch noch fahrtechnisch ein Highlight. Also haben wir es hier eigentlich mit recht teurem Kernschrott zu tun. Auch darin heben sich diese Produkte nicht von denen der Mitbewerber ab. Aber wo viel Schatten ist, muss doch wohl auch irgendwo ein Licht sein. Dieses habe ich in der simplen Geometrie des Gleissystems gefunden. Es ist schon erstaunlich, dass man mit nur sechs unterschiedlichen Gleiselementen auskommen kann! Der steile Weichenwinkel von 15° und ein Abzweigradius von rund 330mm kommen uns bei dieser Anlage sehr entgegen, weil wir uns ja mit wenig Platz begnügen müssen. Die Prellböcke stammen aus dem Programm der Fa. Peco.

Technik

Der Unterbau besteht aus einem einfachen Holzkasten mit den Maßen 120cm x 25cm und 10cm Höhe. An diesen wurde noch ein preiswerter Griff aus dem Baumarkt geschraubt, um die Anlage später gut handhaben zu können. Der Kasten wurde komplett mit grünem Schultafellack gestrichen. In diesem sind das Stellpult, der Trafo, 5 Weichenantriebe und eine 5 polige Diodenbuchse für den Fahrregler eingebaut. Gefahren wird entweder analog oder digital. Für beide Betriebsarten halte ich entsprechende Fahrregler vor. Im Analogbetrieb fahre ich mit einem einfachen Selbstbau Handregler, der eine geglättete Gleichspannung ans Gleis bringt. So können auch Loks mit Glockenanker Motor (Faulhi) schadlos betrieben werden. Im Digitalbetrieb fahre ich mit einem einfachen Lenz "Compact". Da die Steckerbelegung beider Regler identisch ausgeführt ist, kann durch einfaches Umstöpseln die Betriebsart gewechselt werden. Der Trafo ist ein Lenz "TR100" mit 15V / 45 VA. Die fünf Weichenmotore stammen von Tillig und waren noch von einem Anlagenabriss übrig. Es sind zwar nicht die leisesten und besten Antriebe, als Mittel zum Zweck reichen sie aber dennoch völlig aus. Hätte ich diese nicht zur Verfügung gehabt, hätte ich mir handbetätigte Stellgestänge gebaut, die mittels Miniaturschaltern die Herzstückpolarisation bewerkstelligen. Das einfache Gleisbildstellpult besteht aus fünf kleinen Schaltern und einem kleinen Gehäuse aus dem Elektronikfachhandel. Nach dem Auflackieren des Gleisbildes wurden die Löcher für die Schalter gebohrt und diese ins Gehäuse eingeschraubt. In die Unterseite des Gehäuses kam noch ein größeres Loch für die Kabeldurchführung. Das fertige Gleisbildstellpult wurde versenkt in die Grundplatte der Anlage eingebaut.


Bild 3: Stellpult und Digitalzentrale.

Elektrik

Gefahren wird entweder analog oder digital. Geschaltet werden alle Weichen nur analog. Das bedeutet, dass wir keinen einzigen Weichen oder Schaltdecoder benötigen. Ein fest installiertes Digitalequipment ist also nicht vorhanden. Normalerweise werden ja die Betriebsaufgaben mit nur einer Lok durchgeführt. Deshalb konnte ich die Elektrik auf einen Fahrstromabschnitt beschränken. Wenn einmal mehr Loks, vielleicht zu Testzwecken auf der Anlage bewegt werden sollen, dann funzt das im Digitalbetrieb völlig problemlos. Auch ein analoges Triebfahrzeug kann im Digitalbetrieb zusätzlich gefahren werden, sofern dieses keinen Faulhabermotor hat. Das ist einer der ganz großen Vorteile von Lenz "digital plus". Das Lenz "Compact" ist eine komplette Zentrale mit integriertem Booster. Mit dem Gerät kann man schon eine kleine Anlage recht komfortabel steuern, gerade deshalb ist es für Digitalum- und -einsteiger ideal geeignet. Mit den neueren Versionen kann man die CVs 1-99 der Lokdecoder prima programmieren. Im Gegensatz zur Roco Lok - Maus II kann man die CVs auch auslesen. Fehler bei der Programmierung sind also ohne große Komplikationen aufzufinden. Bei einem sehr moderaten Preis von unter 100,- € wundert mich allerdings die geringe Verbreitung. Ich habe ein Gerät aus der ersten Serie, bei dem leider nur die Programmierung im Registermodus möglich ist. Ärger hatte ich damit bisher nicht. Das Teil ist sehr robust ausgeführt und gehört m.E. in die Kategorie "sehr empfehlenswert". Der 128 - Fahrstufenmodus - Modus wird voll unterstützt, weshalb ich den Digitalbetrieb auf dieser Anlage, allein schon der Fahreigenschaften wegen bevorzuge. Bei Ebay kann man die Geräte bereits ab etwa 35,- € erstehen, was einem Portemonnaie aus Zwiebelleder (immer, wenn man reinschaut, kommen einem die Tränen) sicherlich entgegenkommt.


Bild 4: Der Timesaver von unten; alles Zubehör ist im Kasten verstaut.

Geländegestaltung

Auf dem bisschen Fläche ist nur wenig Landschaft möglich. Auf Details habe ich zwar weitgehend verzichtet, um ein ordentliches Schotterbett und etwas Grünzeug kam ich aber trotzdem nicht herum. Ebenso musste ich in Anbetracht meines geringen Budgets auf Gebäude vorläufig verzichten. Die Anlage eignet sich aber gerade aufgrund der fehlenden Details für einen Betrieb gegen die Stoppuhr. Es wäre doch schon ein arges Malheur, wenn man während einer rekordverdächtigen Rangierfahrt beim Entkuppeln irgendein Kleinteil abreißen würde.

Fahrzeuge

Lok und Wagen stammen aus den Sortimenten der Firmen Bemo und Roco. Die VL21 der St.L.B. (Steiermärkische Landes Bahn) von Bemo passt gut zu den ÖBB Vierachsern von Roco. Grundmodell ist die V51 der DB. Die Bemo Lok ist geringfügig kürzer als die Waggons. Das stört hierbei aber weniger als eine Lok, die länger als die Wagen wäre. Die Fahreigenschaften im Digitalbetrieb sind nach entsprechendem Decoderprogrammieren sehr ordentlich und überaus zweckentsprechend. Eine in der Höchstgeschwindigkeit kastrierte Lok verleitet auch nicht zur Raserei, selbst im Kampf um Sekunden gegen die Stoppuhr ist das Fahrbild alles andere als hibbelig zu bezeichnen. Bei den Wagen war es ein Geduldspiel die Kupplungen leichtgängig zu bekommen, wie auch richtig zu justieren. Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass Drahtbiegearbeiten nicht wirklich zu meinen Stärken gehören. Jetzt, wo aber alles richtig flutscht, weiß ich, dass sich die Mühe gelohnt hat. Auf dem PC entsteht noch ein Beschilderungssatz mit den römischen Ziffern I-V in doppelter Ausführung. Mit etwas Tesa - Film werden die Schilder auf beide Seiten aller Wagen geklebt. Auch bei optisch gleichen Waggons können wir diese nun klar voneinander unterscheiden.


Bild 5: Das "Rangiergerät".

Zubehör

Wie bei jeder Modellbahnanlage wird für den Betrieb etwas nützliches Zubehör benötigt. Auf oben beschriebenen Weg entsteht auf dem PC ein Zielschildersatz um die Betriebsaufgaben zu signalisieren. Zum Entkuppeln ist ein einfaches Werkzeug unbedingt erforderlich. Zweckmäßig ist ein Rundholzstab von etwa 10cm Länge mit 8mm Durchmesser. In die Schnittfläche wird mittig ein 2mm Loch mit etwa 20mm gebohrt. Von einem 2mm Stahldraht wird ein etwa 20cm langer Abschnitt gesägt und die letzten 20mm im 45° Winkel abgebogen. Über das abgebogene Stück wird ein kurzer Schrumpfschlauch gezogen und erwärmt. Nach dem Zusammenziehen des Schrumpfschlauchs kann der Draht in den Holzstab geschoben und verklebt werden. Schon haben wir ein praktisches Entkuppelwerkzeug. Jetzt fehlen uns zu unserem Glück noch eine Lokradreinigungsbürste von Trix und ein Gleisrubber von Roco, die den Rüstsatz für die Anlage vervollständigen. Fahrzeuge und Zubehör sind in einen passendem Karton untergebracht, der beim Transport wie auch bei der Lagerung mit Tragflächengummis aus dem Modellbaubedarf im Anlagenkasten befestigt ist. Auch das Lenz "Compact" findet während der Betriebsruhe seinen Platz unter den Gleisen. So kann nichts vergessen werden, wenn man mal eben schnell zu einer Ausstellung oder zu einem Freund will, um dort zu spielen.


Bild 6: Entkuppler, Schienen- und Lokreiniger, Zielschilder und Entkupplungshaken.

Betrieb

Zuerst werden die Wagen auf die Stumpfgleise verteilt. Welcher Waggon wohin gestellt wird ist dabei unwichtig. Die Lok kommt in die Umfahrung über dem Hauptgleis und wird mit den Weichen 3 und 5 eingeschlossen. Alle Weichen haben als Grundstellung die Position "gerade". Dieser Zustand ist grundsätzlich die Ausgangs - und Endlage. Nach dem Aufstellen der Zielschilder neben den Gleisen kann das Spielchen beginnen. Die Wagen werden mittels Rangierbewegungen von der Lok auf ihre Bestimmungsgleise, die mit den Zielschildern gekennzeichnet sind, verfahren. Ist die Position aller Güterwagen wieder mit ihren Zielschildern identisch, so muss die Lok in ihre Ausgangsposition zurückgebracht und mit den Weichen 3 und 5 verschlossen, wie auch alle anderen Weichen in Grundstellung geschaltet werden. Erst dann wird die Stoppuhr angehalten.
Sieger ist, wer für seine Aufgabe weniger Zeit gebraucht hat.


Bild 7: Ein benummerter OO-Wagen.

Fazit

Ein Timesaver in der vorgestellten Form kostet nicht viel Geld, braucht nur wenig Platz, ist jederzeit mobil und mit einer Bauzeit von etwa zwei Wochen auch nicht wirklich zeitaufwendig. Für minimalste Mühe und Fleiß steht der große Lohn endlich "richtig" spielen zu können. Wem es jetzt noch nicht in den Fingern juckt, der sollte sich m.E. besser ein anderes Hobby suchen.

Zukunftsaussichten

Im Moment plane ich einen Timesaver in der Baugröße H0. Schließlich will ich auch mal mit meiner Lenz V 36.4 Güterwagen durch etwas Landschaft rangieren. Die Weichen werde ich wohl selber bauen müssen, weil die Radsatzmaße meiner Lok hier ganz klar die Richtung angeben. Altmaterial für H0 ist bei mir derzeit nicht vorhanden, sodass selbstgebaute Weichen sowieso billiger sind als der gekaufte Schund. Leiterplatten und Schienenprofile der Dimension C55 habe ich noch in größeren Mengen herumliegen, warum sollte ich es dann verkommen lassen. Trotz ähnlich geringer Anlagengröße werde ich dann aber nicht an Details sparen. So denn, gut Ding braucht Feile (oder war das Weile?)!


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Zuletzt bearbeitet am 3. Juni 2005 Technische Probleme? Mail an Webmaster