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Grobblech in zu kurzen Wagen

Idee: Erik Meltzer nach einer Anregung von Andreas Lange
Umsetzung: Erik Meltzer <ermel@modellbahnfrokler.de>

1: Vorbildfoto eines Omm mit offener Kopfklappe
Bild 1: Ein ehemals belgischer El [5597] der DR, wegen zu langer Ladung mit offener Kopfklappe.
Foto: Klaus Kirsch, 24. März 1984. Gefunden in [1].
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Idee

Das obige Bild sagt eigentlich alles. Mit offener Kopfklappe fährt der spazieren, weil die Ladung, anscheinend Stahlplatten bzw. Grobbleche, nicht in den Wagen gepaßt hat! Wenn die Reichsbahn sich sowas traut, dann machen wir das jetzt auch so.

Eigentlicher Auslöser dieser Bastelei war aber Andreas Lange, der auf seiner Seite einen O Halle mit Rohren beladen hat und dazu beide Kopfklappen entfernt. Dazu hat er sogar eine passende Zeichnung aus einer Beladevorschrift gefunden – unbedingt ankucken!

Vorbildwahl

2: Modellfoto eines Omm 33 mit offenen Kopfklappen
Bild 2: Mein Omm 33 der DB mit einer entsprechenden Ladung.
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Damit das Ganze im Modell einigermaßen überzeugend aussieht, sollten die Wände und vor allem der Wagenboden des verwendeten Modells schön dünn sein. Meine Wahl fiel deshalb auf dem Omm 33 (Villach) von Liliput – ein kürzeres Vorbild wie etwa GFNs O 10 (Halle) oder Om 12 (Breslau/Essen) erschien mir für Epoche 3 unpassend, da hätte man sicher eher einen Omm genommen, als so einen Aufstand zu machen.

Der flachere Omm 32 (Linz) hätte auch gereicht, aber ich hatte gerade keine zwei identischen davon da. Die brauche ich, damit das Ganze im Fremo einsetzbar wird: einer bleibt leer, und zum Be- bzw. Entladen werden dann eben die ganzen Wagen getauscht.

Soweit die Theorie. In der Praxis entpuppt sich unglücklicherweise China, wo die Dinger heutzutage herkommen, als ein Land, in dem die Drucktechnik noch nicht so weit fortgeschritten ist, daß man damit dauerhaft Beschriftungen an Güterwagen anbringen könnte. Immer wieder kämpft der Modellbahnfrokler mit Beschriftungen, die partout nicht abgehen. Nicht so bei Liliput. Da reicht es, den Wagen zu altern, schon isse weg. *grumpf* Deswegen hat mein Wagen jetzt eine Gaßner-Beschriftung. Schade um das schöne EUROP ... und noch schader, daß ich dann einen weiteren Villach ebenfalls umbeschriften muß für den Einsatz beim Fremo. Lektion: Liliput-Wagen erst einmal matt überlackieren, erst dann altern!

Bearbeiten des Wagens

Die Kopfklappen sind mit der treuen Roco-Säge fix von den Ecksäulen getrennt. Der Sägeschnitt soll in derselben Ebene liegen wie die Innenseiten der Seitenwände. Um die Kopfklappe dann auch vom Wagenboden abzukriegen, habe ich mit einem Skalpell so lange in der Ecke zwischen Boden und Stirnwand/Kopfklappe geritzt, bis ich sie sauber abbrechen konnte. (Mehr oder weniger sauber, zugegeben. Geduld zahlt sich aus.)

3: Die Kopfklappenlagerung Anschließend habe ich die kleinen Vorsprünge außen am Kopfklappenlager, die die Lagerwelle darstellen, bündig abgeschnitten und dort ein 0,5-mm-Loch quer zur Wagenlängsachse durchgebohrt. Da hinein läßt sich dann ein 0,4-mm-Messingdraht als neue Kopfklappenwelle fädeln. Bild 3 zeigt diesen Zustand; wie auch bei allen folgenden Baufortschritt-Bildern führt ein Klick darauf zu einer Großansicht.

4: Bewegliche Kopfklappe An den Draht wiederum habe ich die Kopfklappe dann mit Sekundenkleber angeklebt – die kleine Stufe an der Oberkante der Kopfklappe ist wie dafür gemacht. Aber stop: vorher an der einen Kopfklappe Auftritt und Laufbrett entfernen nicht vergessen, da war Liliput zu großzügig. Der Wagen hat nun, wie in Bild 4 zu sehen ist, tatsächlich bewegliche Kopfklappen! Echte Superfrokler würden jetzt vermutlich darauf sinnen, auch die Kniehebelwelle (den Kopfklappen-Verschluß an der Unterkante) funktionsfähig zu machen; ich hab's gut sein lassen und den Kram nach dem Beladen festgeklebt. Bin ja kein H0pur®ist :-)

Ein wenig Farbe auf das Messing, eine graue Lackierung der Wageninnenseite (die Ecksäulen bleiben/werden aber auch innen braun!), ein paar Messinggriffe und -Tritte sowie Signalhalter, die als Zurüstteil beigelegten Kniehebelwellen und natürlich etwas Dreck: fertig ist die Laube. (Die für einen Villach falschen Panzerhaken am Langträger hab ich aber drangelassen, weil ich keine Lust zum Neubeschriften hatte.)

Wer klüger ist als ich, der montiert die Zurüstteile, zumindest die Kniehebelwellen, bevor er die Kopfklappen montiert oder gar festgeklebt hat. War das ein Gefummel! Naja, Dummheit muß bestraft werden. ;-)

Bau der Ladung

5: Die Grobblech-Ladung
Bild 5: Die Ladung allein. Ein Detailfoto findet sich weiter unten

Stefan Carstens hat in seinem hervorragenden Grundlagenartikel in [2] alles Nötige bereits geschrieben, deswegen kommt hier nur das Wichtigste in Kurzform.

Die Ladung entsteht aus Fotokarton (ich habe einfach ein paar alte, unscharfe Fotos zerschnippelt). Die Abmessungen richten sich nach dem Wagen (die offene Kopfklappe darf die Pufferhülse nicht überragen, sollte aber schon nah rankommen, damit es einen Grund gibt, warum im Gegensatz zum Vorbildfoto beide Kopfklappen offenstehen), die Anzahl der Grobbleche nach der Lastgrenze desselben. Meine Grobbleche sind jeweils 105 mm (9,13 m) lang, 26,3 mm (2,28 m) breit und 0,25 mm (21 mm) dick, wiegen also bei einem Stahlgewicht von 7,86 to/m3 je gut 3,4 to. Sieben Stück davon passen also mit zusammen knapp 24 to gut zu des Villachs Lastgrenze von 25,5 to, und außerdem hätte die Ladung auch nicht auf einen R 10 oder R 20 gepaßt – und Rmms-Wagen waren eben grad nicht verfügbar :-)

6: Lackiertes und poliertes Grobblech im Vergleich Die Lackierung der Bleche erfolgt mit "Humbrol Metal Cote Steel", einer polierbaren Lackfarbe, und zwar einfach mit dem Pinsel. Nach dem Trocken ist das Zeug stumpf-mattgrau, aber wenn man's mit einem weichen Tuch poliert, glänzt es sehr schön metallisch. Bild 6 zeigt zum Vergleich ein lackiertes und ein poliertes Stück Grobblech – man beachte die zu erahnende Spiegelung der Farbdose. Die Pinselstriche gehen locker als leichte Verschmutzung, Wasserflecken, Fett o.ä. durch; m.E. wirkt das Teil mit der leicht unregelmäßigen Oberfläche sogar gerade gut. Aber Vorsicht: nach dem Trocknen nicht mehr mit den Fingern anfassen, das gibt gut sicht- und kaum wegpolierbare Abdrücke. Woher ich das nur wieder weiß?

Um den trotz allem immer noch zu dicken Boden des Wagens etwas wegzutarnen, habe ich die unteren zwei Lagen Grobblech nur als kleine Schnipsel an den Wagenenden untergeklebt, so daß der zu dicke Wagenboden quasi in die Ladung hineinragt.

7: Lackierung, Zusammenbindung und Beschriftung im Detail Die fertige Ladung habe ich dann noch mit ein wenig rostroter Pulverfarbe gealtert (nur so, daß vereinzelt Flugrost zu erahnen ist) und mit einem weißen Gelstift ein paar Ziffern draufgekritzelt. Die sind zwar genaugenommen reichlich groß, aber dafür kann man sie wenigstens lesen. Bild 7 zeigt einen Ausschnitt der fertigen Ladung.

8: Die Niederbindung Die Ladungssicherung besteht aus drei Zusammenbindungen und zwei Niederbindungen an den Wagenenden, die durch den Kopfklappenspalt nach außen und dort an die vorbildwidrigen (s.o.), aber für diesen Zweck ungemein praktischen Panzerhaken führen. Bild 8 zeigt die Führung der Niederbindung bei umgeklappter Kopfklappe. Alle Bindungen bestehen aus verdrilltem Stahldraht, sprich: grauem Nähgarn, und sind mit Blechwinkeln aus Alufolie als Kantenschutz über die Kanten der Grobbleche geführt (auch dies habe ich bei Stefan Carstens abgekuckt).

9: Die zugebundene Kopfklappe Zum Schluß habe ich noch die Kopfklappen mit der Vorderkante der Ladung verklebt und außerdem zugebunden; da im Gegensatz zum Wagen auf dem Vorbildfoto der Omm 33 aber keine Griffstangen an den Kopfklappen aufweist, mußte ich dieses Seil einmal quer über die Kopfklappe führen. Zur Abwechslung habe ich hier hellbeiges Nähgarn zur Darstellung eines normalen Seils verwendet. Bild 9 zeigt wieder die Führung des Seils; es endet an dem äußersten der Binderinge am Langträger.

10: Die fertige Ladung von innen betrachtet Zum Abschluß zeigt Bild 10 noch ein Blick von oben auf die Innenseite einer Kopfklappe mit Ladung, um einen Eindruck des fertigen Wagens zu vermitteln. Wie ich finde, eine relativ einfach und schnell (an einem Nachmittag) zu bauende, optisch aber sehr interessante Ladung.

Literaturhinweise

  1. Stefan Carstens und Hans-Ulrich Diener: Güterwagen. Band 3: Offene Wagen. 1. Auflage. Hasloh, Flashorn 1996. (Heutzutage erhältlich beim Miba-Verlag.) Seite 165.
  2. Stefan Carstens: Schwermetall-Hochstapelei: Stahlplatten. Güterwagen richtig beladen (7). In: Bahn & Modell 8/89, Seiten 58-59.

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Zuletzt bearbeitet am 26. Dezember 2015